Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
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zeichnet sich durch besondere Güte und Aufopferungsfähigkeit aus. Es ist fast unbegreiflich, was sie für ihren todkranken Geliebten, von dem sie nichts zu erwarten hat, leistet. Umso befremdender ist, namentlich für den jüdischen Leser, Capeks Bestreben, gewisse Schwächen oder Fehler Annas auf Konto ihres Judentums zu schreiben. Moralisch tief unter Anna steht ihre Schwester Isa, eine Kokotte, die jeden Augenblick ihren Liebhaber wechselt. Bemerkenswert ist, daß beide Pinkusmädcthen mit Ausnahme ihres Namens nichts Jüdisches an sich haben. Glänzend gelungen ist hingegen dem Dichter die rührende Gestalt des bejahrten Onkels Jakob Suchanpa aus Kfät, eines rituellen Schächters und Moels, der trotz seiner Strenggläubigkeit der Nichte Anna ihre Verfehlungen verzeiht, sich zur Hochzeit einfindet und eine geßchoppte Gans als Hocihzeitsgeschenik mitbringt. Angesichts der traurigen Verhältnisse, die er vorfindet, ist er bereit, sich des Kindes seiner Nichte anzunehmen. In Capek-Chtods Roman „Die T u r b i n e", in dem der Verfall einer Prager Patrizierfamilie geschildert wird, begegnen wir als Nebenfigur dem internationalen Gauner Leib Blumenduft, einem Händler mit Falsifikaten antiker Gegenstände. Er besitzt zwar keine Spur von Schönheitssinn, aber eine einzigartige intuitive Fähigkeit, Echtes von Falschem zu unterscheiden. Bei einem Verwandten jener Patrizierfamilie kauft er wissentlich das Falsifikat eines überaus seltenen Druckes für 40.000 K und verkauft es sofort nach Amerika für 80.000 K. Es sei an dieser Stelle vom Jiräseks bereits erwähntem Roman „Bei uns zu Hause" (U näs) gesprochen, der trotz seines Untertitels „Chronik der Heimat'4 eher als Dorfroman denn als historischer Roman aufzufassen ist. Er behandelt in seinem ersten Teil die Geschichte eines Judenmädchens, das sich ihres christlichen Geliebten wegen taufen läßt, ihn heiratet und sich ihrer Umgebung vollständig assimiliert (ähnlich wie Dinah in Komperts „Eine Verlorene'*). Jakob Löwit übersiedelte mit seiner siebzehnjährigen Schwester Gusti, einem schönen Mädchen, nach Podoli (Hronov) und errichtete sich dort einen Branntweinschank. Er und seine Schwester waren früh verwaist, Jakob kam in die Lehre, Gusti wurde von einem Oheim erzogen und nun lebten sie, da sich Jakob etabliert hatte, zusammen. Jakob hatte seine Lehrzeit im Ghetto zugebracht und war strenggläubig geblieben. Gusti, die unter Landkindern aufgewachsen war, fühlte sich zur Dorfbevölkerung hingezogen und hatte ihr Judentum nicht tief im Herzen verankert. Jakob war ein ordentlicher Kaufmann, aber seinen Kunden gegenüber verschlossen, und er verkehrte nur mit seinem Glaubensgenossen Lustig. Gusti hingegen freundete sich 70