Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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Muster dienen, wie man hierzulande nach dem Gesetze Gottes und der menschlichen Gerechtigkeit entsprechend leben sollte..." Vrbas Novelle hinterläßt, namentlich in ihrem zweiten Teil, mehr den Eindruck eines Berichtes als einer Dichtung. Für uns gewinnt sie gerade darum an Interesse, weil sie die Bedeutung eines Dokumentes besitzt. Der berühmte Romanschriftsteller Karl Capek-Chod (1860—1927), ein hervorragender Kenner Prags und aller seiner Bevölkerungsschichten, zeichnet in einigen seiner Romane jüdische Figuren. Die Novelle, die uns interessiert, heißt „Die Tochter des Jair" (Dceruska Jairova) und spielt nicht in Prag, sondern auf dem Lande. Sie schildert das Liebesverhältnis des Militärarztes Georg Stach zur bildschönen, aber tuberkulösen Schwester des Gutsbesitzers Artur Stein, Irma, genannt Mafia (in der Familie Artur Steins lernen wir das tschechischjüdische Milieu auf dem Lande kennen). Irma verzehrte sich in Liebesglut zu Stach, dieser aber benahm sich zurückhaltend und stillte seine Sinnenlust bei einer drallen Bauerndirne. Schwer trug sie es, daß er sie nie auf den Mund, sondern auf die Stirne küßte. Er tat dies erst vor ihrem Tode und schuf ihr so einen suavis exitus (ein leichtes Ende). Irma gehörte zu jenem „Stamme der Asra, die da sterben, wenn sie lieben". Schon in dieser Novelle Capeks finden sich einige Seitenhiebe auf das Tschechojudentum. Aber noch schärfer ist die Satire gegen das von dem Glauben seiner Väter abgefallene, aber mit den Fehlern seiner Rasse umso mehr behaftete Judentum. Der Vertreter eines solchen Judentums ist Friedl (Zibfid) Pappenstein in def Novelle „Zwei Witwen" (Dve vdovy). Er ist der Sohn eines getauften Juden, hat sich aber die negativen Seiten des jüdischen Wesens in hohem Maße bewahrt. Ein gerissener Kaufmann, geht er über Leichen und nimmt es auch mit der Ehrlichkeit nicht sehr genau. Seine Erotomanie wird ebenfalls aufs Konto seiner jüdischen Herkunft geschrieben. Wie er zwei Bräute betrog und der Verfolgung des Strafgesetzes nur durch den Kriegsausbruch entging, bildet den Inhalt der Novelle. Einer der berühmtesten Romane Capek-Chods ist „Anton V o n d r e j c", in dem das bohemeartige Leben eines Prager Schriftstellers (der Roman enthält viel autobiographisches Material) geschildert wird. Vondrejc unterhält ein Liebesverhältnis mit der Kellnerin seines Stammwirtshauses, Anna (eigentlich Elsa Pinkus), die ihm das Leben rettete, als er aus Verzweiflung Selbstmord verüben wollte. Er war der erste Mann, dem sie sich hingab, sie betreute ihn, als er in schwere Krankheit verfallen war, und opferte für ihn alle ihre Ersparnisse. Als sie ihm ein Mädchen geboren hatte, drängte sie auf Verehelichung, damit das Kind einen ehrlichen Namen führe. Die Hochzeit fand unmittelbar vor dem Tode Antons „in articulo mortis" statt. Anna 69