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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 72

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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IRI
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genießen pflegte, zur Frau. Diese, eine vorzügliche Wirtin, half ihm sein Vermögen nur noch vermehren. Aber Sara war nicht nur eine praktische Hausfrau, sondern auch eine würdige Tochter ihres geldgierigen Vaters und sie verstand es, ihren Mann zur Eröffnung eines Gasthauses zu bewegen. Dieser hatte sich lange gesträubt und erst nach der Geburt seines ersten Sohnes gab er dem Zureden seiner Frau und seines Schwiegervaters nach. Das Gasthaus führte er auf einer streng soliden Grundlage und duldete weder Tischgelage noch Kartenspiel. Simeon Löwy versetzte die Bauern in nicht geringes Erstaunen, als er ihnen nach dem Muster anderer Gastwirte vor der Ernte gewisse Geldbeträge lieh, sich aber zum Unterschied von seinen christlichen Berufsgenossen sträubte, für die gewährten Anleihen Zinsen zu nehmen. Frau Sara war das Vorgehen ihres Gatten nicht recht, aber dieser war von seiner Uneigennützigkeit nicht abzubringen. Als Simeons Sohn 14 Jahre alt war, kam er zu einem in der Stadt wohnhaften Onkel in die Lehre. Nach dreijähriger Lehrzeit kehrte er nach Hause zurück und errichtete sich daheim sein eigenes Geschäft. Otmar Löwy, den sein Onkel alle möglichen Schliche jüdischer Kaufleute gelehrt hatte, verstand sich mit der Mutter besser als mit dem Vater. Sein Geschäft nahm bald einen solchen Aufschwung, daß ihm das Dorf zu klein wurde und er sich nach der Stadt sehnte. Er heiratete in das Stadtgeschäft des reichen Aron Bloch ein und überließ seinen Laden einem jüngeren Bruder. Otmar kümmerte sich wenig um das Schnittwaren- oder Gemischtwarengeschäft, das ihm in den Schoß gefallen war. Dieses führte seine Frau. Er widmete sich ausschließlich dem Vieh- und Getreidehandel und beherrschte bald den Markt nicht nur im Orte, sondern in der ganzen Umgebung. Natürlich brachte er es zu einem ansehnlichen Vermögen. Seine Söhne aber erklommen noch einige weitere Sprossen der sozialen Stufenleiter: Abraham wurde Schloßbesitzer im Heimatsorte, Jakob ein sehr reicher und angesehener Großkaufmann in der Hauptstadt. Jakobs Sohn brachte es zu einem Gelehrten von europäischem Ruf. Jan Vrba, der in Simeon Löwy eine ideale Judengestalt zeichnete, ist weit davon entfernt, diese als typisch hinzustellen. Ein typischer Jude ist ihm vielmehr Löwys Schwiegervater Samuel Nathan, der trotz seiner Frömmigkeit die Kunden betrügt, dessen Getreidemaße einen einfachen Boden haben, wenn er kauft, und einen doppelten Boden, wenn er verkauft, dessen Wage unten beschwert ist u. dgl. Simeon Löwy hingegen bildet eine Ausnahme unter seinen Glaubensgenossen. „Er ist ein gerechter und frommer Jude, wie man sich seiner seit Menschengedenken nicht erinnert und wie ihn Israel nur einmal in 100 Jahren hervorbringt... Er könnte seinen Glaubensgenossen als 68

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