Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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zusprechen. Viktor Rosenzweig wird immer als Ausnahme des Judentums hingestellt. Er ist ein aus der Art geschlagener Jude. Seine Eigenschaften entsprechen nicht der jüdischen Rasse. Diese ist durch seinen hinterlistigen, heimtückischen, habgierigen, geizigen und auch gegen seinen eigenen Sohn rücksichtslosen Vater gekennzeichnet. Der Antisemitismus scheint bei Vachek nicht einer inneren Überzeugung zu entspringen, er dient ihm vielmehr in unserem Roman nur als Kunstmittel, um den Gegensatz zwischen Roeenzweig Vater und Rosenzweig Sohn augenfälliger zu gestalten, denn in den Exkursen, in denen Vachek zur Judenfrage Stellung nimmt (z. B. S. 37, 90 f., 428), bemüht er sich, einen objektiven Standpunkt einzunehmen. Viel stärkere Hiebe als den Juden teilt er der christlichen Dorfbevölkerung aus, die vor dem vermögenden und einflußreichen Juden Angst empfindet und ihm mit Hochachtung begegnet, auch wenn er noch so ehrlos und nichtswürdig ist, während sie zu dem armen Juden brutal ist, selbst wenn er noch so ehrlich, anständig und bescheiden lebt. Ein Seitenstück zu Viktor Rosenzweig bildet trotz großer Verschiedenheit in bezug auf seinen sonstigen Charakter Simeon Löwy in Jan Vrbas Novelle „Das Haus Otmar Löwys" (Dum Otmara Löwyho). Auch Vrba bezeichnet den makellosen Helden der Erzählung als eine Ausnahme unter den Juden, als eine „mißratene, von ihrem Baume früh abgefallene und weithin gerollte Frucht". Simeon Löwy hat weder ein jüdisches Aussehen, noch besitzt er einen jener Fehler, die der jüdischen Rasse sonst anhaften; er ist durch und durch ehrlich und uneigennützig, weshalb er von seinen Glaubensgenossen nicht ernst genommen und ein Narr gescholten wird. Den Inhalt von Vrbas Novelle bildet der Aufstieg der Familie dieses böhmischen Landjuden: Simeon Löwy siedelte sich mit etwa 40 Jahren in einem Dorfe am Flusse Sazawa (Nebenfluß der Moldau) als Landwirt an. Die Bevökerung begegnete ihm anfangs mißtrauisch, wurde aber zutraulicher, als sie ihn als einen ebenso fleißigen wie redlichen, edelgesinnten, aufrichtigen und hilfsbereiten Nachbar kennen gelernt hatte. Simeon benahm sich gar nicht wie ein Jude. Er legte bei allen Arbeiten, sowohl zu Hause wie auch auf dem Felde, selbst Hand an und ging unter den Dorfbewohnern völlig auf. Dabei bewahrte er seinem Glauben die Treue und hielt den Sabbath streng ein. So kam es, daß er die Liebe und Achtung der Bauern gewann. Sein Fleiß und seine Liebe zur Scholle wurden durch reiche Ernte belohnt und sein Vermögen wuchs von Jahr zu Jahr. Er konnte die große Wirtschaft selbst nicht mehr übersehen und suchte eine Lebensgefährtin. Er nahm Sara, die Zweitälteste Tochter Samuel Nathans, des Gutspächters aus dem Städtchen, dessen Gastfreundschaft er während der Feiertage zu 67