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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 68

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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waren seit jeher ein wirksames, ja man kann sagen einziges Mittel der Juden---- Nicht der Trinker ist Schuld, denn es ist ein geistesschwacher Mensch, sondern der Verkäufer, weil er sich seiner Sünde voll bewußt ist." Merkwürdig, in vier Büchern geißelt der Autor die Trunksucht, die Unmoral und die Mißwirtschaft des slowakischen Volkes und die Schuld an allem hat — der Jude. „Tut nichts, der Jude wird verbrannt!" Alois Mrstiks berühmterer Bruder Wilhelm (1863—1912), ein sonst sehr freidenkender Schriftsteller, weist in der Erzählung „Aus dem Reiche der Großmacht" (Z rise prvni velmoci) auf den durch die Juden verschuldeten wirtschaftlichen Niedergang der slowakischen Dorfbevölkerung hin. Julius Fux mißbraucht die Leichtgläubigkeit und Vertrauensseligkeit seiner christlichen Kunden und betrügt sie in der unverschämtesten Weise. Diese aber lösen ihre geschäftlichen Verbindungen mit ihm auch dann nicht, wenn sie ihm auf seine Schliche kommen. Er versteht es, sie immer wieder durch schöne Reden und Geschenke zu ködern. In derselben Gegend wie die Romane von Herben und den Brüdern Mrstik spielt V. K. Jefäbeks Erzählung „Der Mensch als Übeltäte r" (Clovek sküdcem). Die Bauern von Waltschitz rächen sich an dem mißliebig gewordenen Kaufmann Hromädka (dieser ist der Übeltäter), indem sie ihm den Kaufmann Lustig aus Auspitz als Konkurrenten auf den Hals hetzen, der ihn, weil er ihm an Tüchtigkeit weit überlegen ist, ruiniert. Obgleich der Verfasser den jüdischen Kaufmann weit höher stellt als den christlichen, kann er sich dennoch ein paar gehässige Bemerkungen über die Juden nicht versagen. In einer anderen Erzählung „P o 1 d i Steiner als Gast" (Poldi Steiner hostem) zeichnet Jefäbek einen jüdischen Gastwirt, der, nachdem er im Krieg in Wien Schiffbruch erlitten hatte, sich in einem Dorfe in der Nähe Brünns ansiedelte. Dort kaufte er alle Lebensmittel auf, sodaß für die arme Ortsbevölkerung nichts übrig blieb. Er wurde von dieser bald aus dem Dorfe vertrieben. Eine Mittelstellung zwischen den antisemitischen und judenfreundlichen Literaturdenkmälern nimmt Emil Vacheks feiner psychologischer Roman „Der Geier" (Sup) ein. Der Dichter zeichnete darin einen ideal veranlagten jüdischen jungen Mann, Viktor Rosenzweig, der, ganz aus der jüdischen Art geschlagen, sich von dem väterlichen Branntweingewerbe abgestoßen fühlt und Praktikant in einem Gemischtwarengeschäfte wird. Auch dort bewährte er sich nicht, denn er war ehrlich und aufrichtig, zart besaitet, verschlossem, ein Träumer und Bücherfreund, nach jüdischen Begriffen also ein unpraktischer Sonderling. Zu seinen Glaubensgenossen fühlte er sich nie recht hingezogen und ebemso- 64

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