Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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große Verdienste erwirbt und. seine Mitbürger vor dem verderblichen Wirken der beiden jüdischen Wucherer Kraus und Sachsel schützt. So wie Holeßek und Baar Südböhmen, so haben Jan Herben und Alois Mrstik die mährische Slowakei zum Schauplatz ihrer bedeutendsten Romane gemacht. Auch sie verfaßten Chroniken ihrer Heimat: Herben in dem Roman „In s dritte und vi er t e G esohlt c h t" (Do tfetiho a ctvrteho pokoleni) und Mrstik in dem Roman „Ein Jahr auf dem Lande" (Rok na vsi). Da der Jude nahezu in keinem slovakischen Dorfe fehlte, können auch sie der Judenfigur in ihren Romanen nicht entraten. In dem Werke „Ins dritte und vierte Geschlecht" schildert Herben (geb. 1857) den Aufstieg und Niedergang der Familie Hrabec in seiner Heimatgemeinde Brumowitz (bei Auspitz) in drei Generationen, wobei er die geistige und wirtschaftliche Entwicklung des slowakischen Volkes vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts zeigt. Den Brumowitzer Juden widmet er in dem Roman ein besonderes Kapitel („Isak Wolf, Gemischte Warenhandlung"). Nach dem Jahre 1848 wohnten in Brumowitz drei jüdische Familien: Wodaks, Rosenbergs und Isak Wolf, genannt Icek. Mit diesem beschäftigt sich Herben sehr eingehend. Isak begann ganz klein und führte, als er mit Frau und Mutter nach Brumowitz kam, ein sehr bedauernswertes Leben. So wie sich Leopoldka mit der Entschädigung für seinen geplünderten Laden geholfen hatte, so kamen Isak fünfzig Gulden zugute, die seine Mutter vom Bauer Stanek als Schmerzeaisgeld erhalten hatte, der sie beim Einzug ins Dorf mit Schlägen traktierte. Isak hausierte, seine Frau führte das Geschäft zu Hause. Beide waren sehr fleißig und sparsam, aber nichts weniger als nett. Ihre Wohnung war stets unaufgeräumt, Isaks Frau ging schmierig, zerfetzt und zerrauft herum. Schon nach drei Jahren besaß Isak genug Kapital, um sein Geschäft zu vergrößern. Er betrieb dieselben fragwürdigen Geschäfte wie Pravdas und Kosmäks Juden und wie Holeßeks Leopoldka und wurde in wenigen Jahren ein vermögender Mann. Natürlich trieb er auch Wucher, und wie listig er dabei zu Werke ging, zeigt Herben an dem Beispiel des Bauern Valny, dessen Bauerngutes sich Isak bemächtigte. Nebst Valny trieb Isak noch drei andere Bauern in den Konkurs und kaufte ihre Wirtschaften auf. Im Laufe von 20 Jahren wurde er nach der Gutsherrschaft der vermögendste und einflußreichste Bewohner des Ortes. Wenn auch Herben hier in dasselbe Horn stößt wie die genannten antisemitischen Schriftsteller, so sei doch wenigstens anerkannt, daß er sich bemüht, den Charakter der Juden aus den Verhältnissen heraus zu erklären. Ui*d er nimmt auch die Juden gegen den Vorwurf in 62