Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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Schenker in der Slowakei. Von der Heldin ihres Buches „Großmutter4' sagt sie, daß sie auch den Drahtbinder und Juden herzlich willkommen hieß, wenn sich diese in ihrer Behausung einstellten. Es sei an dieser Stelle auf die katholischen Kalender hingewiesen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von W. Stulc, B. M. Kulda u. a. herausgegeben wurden und so unflätige Spottverse und Schmähartikel über die Juden brachten, daß sich selbst ein Neruda darüber aufhielt und deren Verfasser zurechtwies. Der dem Volke innewohnende Judenhaß spiegelt sich auch in manchen Volksliedern wieder, die K. J. Erben in seine „Böhmischen Volkslieder und Sprüche" (Prostonärodni pisne a fikadla) aufnahm. Bezeichnend ist, daß Erben die die Juden betreffenden Lieder hinter die Lieder der Diebe und vor die der Zigeuner einreihte. In Pravdas Fußstapfen wandeln die meisten Erzähler tschechischer Dorfgeschichten, vor allen Väclav Kosmäk25). Er kämpft so wie sein Vorgänger Pravda gegen den Liberalismus seiner Zeit und betrachtet das Judentum vom gleichen Gesichtswinkel, nur daß seine Schreibweise vielfach roh, ordinär und niedrig ist. Seine Juden (Rosenfeld, Subak, Stern, Goldschmied) sind vom selben Schlag wie die Pravdas, nur daß ihnen in der Regel der Garaus gemacht wird, ehe sie noch zu solchem Wohlstand und zu solcher Macht gelangen wie Pravdas Elias. Im letzten Augenblick, wo der Jude dem Bauern die Kehle zuschnüren will, springt diesem irgend ein Freund bei und rettet ihn aus den Klauen des Wüterichs, der dann zum Dorfe hinausgejagt wird. („Aufstieg und Niedergang des Herrn Johann Kroutil, Halblahners aus Drnkalov" und „Irrungen des Martin Chlubil und wie er wieder auf den rechten Weg zurückkehrte".) Die Zahl der jüdischen Gestalten in Kosmäks Werk ist sehr groß, aber die Feder sträubt sich, diese widerlichen Geschmacklosigkeiten wiederzugeben. Ferdinand Schulz (1835—1905) zeichnet in seinem Roman „Die Herrschaften vom Meierhof" (Dvorskö panstvo) eine jüdische Randarfamilie, die aber nicht, wie Schulz glauben machen möchte, den Typus des jüdischen Randars darstellt. Diesem kommt Leop. Kompert in den „Kindern des Randars" viel näher. Der Randar Porges pachtet den Meierhof in Vselib und wird zum Blutegel der ganzen Umgebung. Er treibt seine Arbeiter zeitlich früh aufs Feld, hält sie dort bis zum späten Abend zurück und gönnt ihnen nicht einmal am Sonntag ihre Ruhe. Er bestiehlt sie am Deputat, zahlt ihnen einen sehr geringen Lohn und auch diesen hält er, solange er nur kann, zurück. Seinen Schuldnern nimmt er den größten Teil ihrer Ernte als Zinsen ab. Er ist herz- und gefühllos und das einzige Ziel, dem er nachstrebt, ist — Geld. Er ist ein durch und durch charakterloser Mensch, zu den 59