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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 62

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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IRI
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ungepflegte Person dargestellte Frau das Geschäftchen zu Hause betreut, treibt er Hausierhandel. Er versteht es, die Dorfbewohner an sich heranzulocken, die Männer durch Schnaps, die Frauen durch Putz und die Bauernsöhne durch Ankauf gestohlenen Getreides. Sein Vermögen wächst zusehends, denn er macht gute Geschäfte, bewuchert die Dorfbewohner und ist dabei fleißig und sparsam. Er kauft einige Strich Feld und einige Stück Vieh, hält Geflügel und verwertet alles aufs beste. Die Feldarbeiten macht ihm ein Bauer für ein bißchen Schnaps o<Jer anstatt einer Zinsenzahlung. Das Häuschen, in dem er sich einst eingemietet hatte, gehört bald ihm. Damit begnügt er sich aber nicht. Er kauft Wirtschaft auf Wirtschaft, nachdem er die verschuldeten Bauern in den Bankrott getrieben hatte. Dabei spielt er sich noch auf ihren Wohltäter auf, indem er sie auf dem Bauernhof als Pächter beläßt und sie weiter ausbeutet. Der Jude gelangt zu großem Wohlstand, betreibt einen ausgedehnten Getreide- und Viehhandel oder pachtet die Branntweinbrennerei und den Gutshof und überläßt sein früheres Geschäftchen anderen Glaubensgenossen. Nachdem er auf Kosten der ganzen Gegend ein sehr reicher Mann geworden war, muß er seinen Wohnort verlassen, sei es, daß er den Zornesausbruch der von ihm auf den Bettelstab gebrachten Bauern fürchtet, oder weil ihm die Gutsherrschaft die Pachtung entzieht. Als derselbe Fremdling, als der er gekommen war, zieht er ab. Nicht das geringste Band der Freundschaft vermochte sich, trotz seines vieljährigen Aufenthaltes, zwischen ihm und der Dorfbevölkerung zu knüpfen. Diese oder eine ähnliche Laufbahn machen Elias Tomeies in Frantföek Pravdas24) Erzählung „Dreißig Jahre in Razov" (Tficet let v Räzove) und Adler, genannt „Cundäl" in der Erzählung „Drzislav und Kazi nTo r" durch. Cundäl erregt noch aus einem anderen Grunde den Unwillen der Ortsbewohner. Um seine Kinder in eine deutsche Schule schicken zu können, setzt er beim Bürgermeister die Errichtung einer solchen durch. Seine Kinder, die zu Hause deutsch sprechen, machen gute Fortschritte, die übrigen Kinder hingegen verkümmern geistig. Adlers Söhne werden dann die erbittertsten Kämpfer fürs Deutschtum in Kazimor. Pravdas berühmte Zeitgenossin Bozena NSmcovä (1820 —1862), deren Dorferzählungen, namentlich die „Großmutter" (Babißka), auch heute an Popularität nichts eingebüßt haben, zeichnete wohl keine besonderen jüdischen Figuren, streifte aber hie und da das jüdische Thema. Während ihres Aufenthaltes in Neumark nahm sie sich der bedrängten Dorfjuden an und stellte sich dem Antisemitismus entgegen. Andererseits beklagt sie sich wieder in den „Erinnerungen an die Reise durch Ungarn" über das Treiben der jüdischen 58

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