Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
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Weltkrieges beschäftigen und deren es in der tschechischen Literatur eine ganze Menge gibt, seien zwei genannt: Rudolf Medeks „Feuriger Drache4' (Ohnivy drak), in dem sich der Autor in den schlimmsten Schmähungen der Juden und des Judentums ergeht, und Benjamin Klickas „Die junge Generation" (Jaro generace), wo die intime Freundschaft dreier Kameraden — zweier Christen und eines Juden — beschrieben wird, die durch den Krieg gesprengt wurde. Der jüdische junge Mann und s^ine Eltern kommen in dem Roman sehr gut weg. Der Geschichte der Juden in Böhmen wird in letzter Zeit auch auf tschechischer Seite mehr Aufmerksamkeit geschenkt als früher (z. B. von Jar. Prokes, V. ßeznicek, Fr. Teply, Jar. Rokycana u. a.) Vielleicht werden ihre Aufsätze die Anregung zu neuen belletristischen Schriften geben, die den Juden gerechter werden mögen als die meisten von den eben behandelten. IV. Der Dorf- und Kleinstadtroman. Noch viel verbreiteter als der historische Roman ist in der tschechischen Literatur der Dorf- und Kleinstadtroman. Das hat vor allem darin seinen Grund, weil ein sehr großer Teil der tschechischen Schriftsteller, den niedrigeren Volksschichten, Bauern und kleineren Gewerbetreibenden entstammend, sehr gerne zu dem heimatlichen Milieu zurückkehrt. Die ersten Spuren des Dorfromanes führen in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts (Fr. Pravda, Bozena Nemcovä) und die Pflege dieser Literaturgattung hat bis zum heutigen Tage an Intensität nicht eingebüßt. Jede Gegend Böhmens und Mährens fand ihren Sänger: Jos. Holecek schilderte das Leben der südböhmischen Bauern, Karl Klostermann das der Holzfäller im Böhmerwald, Rais, Stasek und J i r ä s e k machten den Leser mit dem Volksleben im Riesengebirge bekannt, Therese Noväk mit der ostböhmischen Landschaft, K o s m ä k, Herben, die Brüder Alois und Wilhelm M r s t i k und Gabriele P r e i ß beschrieben Land und Volk in Mähren. Die Verfasser tschechischer Dorfromane sind zum größten Teil antisemitisch eingestellt und nur zum geringeren Teil denken und schreiben sie über Juden vorurteilslos. Der Typus des Juiden, dein wir im tschechischen Dorfroman begegnen, ist bis auf geringe Ausnahmen immer der gleiche: irgendeinem armen Hausierer gelingt es, in einem Dorfe, in dem bisher kein Jude wohnte, dank der Gutmütigkeit der Bauern für ein Geringes einen kleinen Raum zu mieten, in dem er sich ein Geschäftchen errichtet. Während seine meist als schlampige und 57