Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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Das Prager Ghetto, das zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit der schaffenden Künstler, Schriftsteller und bildender Künstler auf sich lenkte, beschäftigte nebst Cech, Zeyer und Vrchlicky auch noch andere tschechische Dichter unserer Zeit. Q. M. Vyskocil erzählt in der Legende „Die Perle im Herzen44 (Perla v srdci) die Geschichte eines verschmähten Liebhabers aus dem Prager Ghetto, der seiner Geliebten aus einem Gewehr eine Perle ins Herz schoß. V. B. Sumavsky berichtet in der Skizze „Rabbi L e b e 1 e" von dem traurigen Schicksal des seines Verstandes beraubten Enoch Adler, genannt Rabbi Lebele, weil er sein Leben lang auf Hilfe von Rabbi Low hoffte. Josef Vesely entwirft im „Untergang des Prager Ghettos" (Zänik prazskeho ghetta) einige vortreffliche Bilder von Gassen und Menschen der Prager Judenstadt aus der Zeit der Assanierung. Die Bewohner der Judenstadt, Christen wie Juden, lebten wohl in den bescheidensten Verhältnissen, wären aber trotzdem zufrieden, ja glücklich gewesen, wenn man sie aus ihren armseligen Behausungen nicht vertrieben hätte. Unter anderen zeichnet Vesely auch den reichen Trödler Samuel Löwit, dessen Wohnung angefüllt ist mit Meißner Porzellan, kostbaren Gläsern, Gold- und Silberwaren, der sich aber zu seinem Reichtum niemals bekennen wollte. Daß die Juden geistige Güter über materielle stellen, will Jan Lier mit seiner Erzählung „Aller Ruhm ist vergänglich'' (Vsechna släva polni träva) beweisen. Er weist auf die Gräber der Meisel, Bassewi und Frankel hin, die vernachlässigt und verlassen sind, während die Gräber von Avigdor Karo und Low Bezalel immer Zeugenschaft von Besuchern (kleine Steinchen) ablegen. Welche Gefühle und Gedanken der Besuch eines jüdischen Landfriedhofes in einem Nichtjuden auslöst, zeigt die prächtige Skizze Arne Noväks „Jüdische Fiedhöfe" (Zidovske hfbitovy). Rührend sind darin die Worte, die er den armseligen Gräbern der polnischen Flüchtlinge widmet, in deren Konzentrationslagern der Tod, namentlich in Zeiten von Epidemien, reiche Ernte hielt. In den Rahmen unserer Betrachtungen gehört auch noch J. D. Konrads Roman „Die Jüdin Malkah" (Zidovka Malkah), in dem das Leben einer tschechischen Militärbesatzung in der Herzegowina beschrieben wird. Ihr Kantineur ist der polnische Jude Mordche Rubin, der als armer Teufel hinkommt und schon nach wenigen Jahren als reicher Mann abzieht. Seinen Reichtum erwarb er sich nicht gerade auf ehrliche Weise. Das Liebesverhältnis von Rubins Frau Malkah (Rubin gibt sie für seine Schwester aus, um durch sie Gäste anzulocken) mit dem Zugsführer Florian bildet die Handlung des Romans. Rubins unsauberen Geschäften widmet der Autor viel Raum23a). Von den erzählenden Werken, die sich mit den Geschehnissen des 56