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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 59

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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IRI
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Farben. Der Königgrätzer Schutzjude Moses Schay wohnt mit seiner vielgeplagten und von Sorge aufgeriebenen Frau Golde sowie zwei Kindern in einer einsamen, elenden Hütte außerhalb der Stadt, wo er eine Gerberei und ein kleines Geschäft betreibt. Für viel Geld und viele Demütigungen wurde ihm das Häuschen abgetreten. Die Eltern sind strenggläubige Juden, die Kinder, Simon und Lija, entfremden sich ihrem Glauben und auch ihren Eltern immer mehr. Simon heiratet eine Christin, sinkt, vom eigenen Vater verfolgt, immer tiefer und endet in den Wellen der Elbe. Lija ist in einen christlichen Wirtschaftsbeamten verliebt und verfällt, da sie der Vater zur Ehe mit einem häßlichen Juden zwingen will, dem Wahnsinn. So hat Schay das Leben beider Kinder am Gewissen. — Daß der Dichter auf Seiten der Kinder steht, ist begreiflich und darf uns nicht wundern. Seine abfälligen Bemerkungen über die jüdische Orthodoxie und den jüdischen Ritus zeugen aber von einer vollständigen Unkenntnis jüdischer Dinge, die man bei dem Verfasser eines Judenromanes nicht anzutreffen brauchte. Der Koliner Schriftsteller Karl Leger schrieb den Roman „D e r hagere Teufel" (Suchy cert). Dieser hagere Teufel ist der Rittmeister Matthias Sebastian Katscher von Chfasfan, der nach löjähriger Teilnahme an den Türkenkriegen auf seine in der Nähe Kolins gelegene Burg zurückkehrt, um sein Gut selbst zu verwalten. Er findet es in vollständig verwahrlostem Zustand; die Wirtschaft wieder in Stand zu setzen, geht über seine Kräfte und so zieht er nach mancherlei Abenteuern mit dem spärlichen Rest seines Vermögens wieder in die Welt hinaus. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Roman der Koliner Jude Sehaye, eine böse Kreatur, die immer auf der Bildfläche erscheint, sobald es sich um die Ausführung einer üblen Tat handelt. Zum ersten Mal kommt er in einer Herbstnacht während eines schrecklichen Gewitters auf die Burg Chfasfany und bittet um Unterkunft. Kaum ist ihm diese gewährt, rückt er auch schon mit seinen teuflischen Plänen heraus: der Herr Katscher von Chfasfan, den er in Geldverlegenheit wähnt, möge ihm für 200 fl. die Abgaben seiner Untertanen verpachten. Zum zweiten Mal erscheint er als Hausierer mit allerlei Tand, um Herrn Katscher zum unrechtmäßigen Verkauf eines Teiles seines Waldbesitzes zu veranlassen. Beim dritten Mal überredet er den Edelmann, sich an die Spitze der aufständischen Bauern zu stellen, weil er sich bei deren Plünderung einen ordentlichen Anteil für sich verspricht. Gleichzeitig aber verständigt er die Komarowitzer Herrschaft von dem Vorhaben der Bauern, um sich auch auf der anderen Seite eine Prämie zu sichern. Nach dieser Charakteristik Schayes ist es überflüssig, über Legers Gesinnung ein Wort zu verlieren. Ihr entsprechen auch die zahlreichen eingestreuten Schmähungen des Judentums in dem Roman. 55

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