Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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ab konnte er sich nicht mehr erholen. Im Kloster zur Untätigkeit verurteilt, siechte er immer mehr dahin, bis ihn auch noch andere Schicksalsschläge vollständig niederwarfen. Seine ihm verlobte Braut Lea starb und er erfuhr, daß sie ihm bis zu ihrem letzten Atemzuge die Liebe bewahrt hatte. Der Vater starb unversöhnt. Das gab dem gebrochenen Mönch den Rest. Vor seinem Tode, den er herannahen fühlte, ließ er den Abt zu sich rufen und bat ihn um Erlaubnis, in Leas Grab auf dem jüdischen Friedhof beerdigt zu werden. Der gütige Abt gab seine Einwilligung und so wurde der Sarg bis zum Tor des Judenfriedhofes von den Mönchen getragen und dort an die jüdischen Sargträger übergeben, die den einstigen Benjamin Süßkind neben Lea zur letzten Ruhe betteten. Karl de Wetter entwirft in seinem Roman „Das goldene Zeitalte r" (Zlaty vek, der Titel ist ironisch gemeint) ein Bild des Prager Lebens zur Zeit Rudolfs II. Im Mittelpunkt des Romanes steht Mirjam, ein Mündel Rabbi Löws, die so wie der Held des eben besprochenen Romanes von Khol einst in eine Kirche geraten war (es handelt sich hier um die Teinkirche) und von da ab, unter dem Einfluß der Predigten des Priesters Lavinius stehend, sich dem jüdischen Glauben immer mehr entfremdete und dem christlichen immer mehr näherte. Als sie einst in der Nacht von Rabbi Low mit einem Kruzifix in Händen und ein christliches Gebet verrichtend angetroffen worden war, mußte sie das Haus auf der Stelle verlassen. Das weitere Schicksal des Mädchens bildet nun den Hauptinhalt des Romanes. Es brachte sich mit Gesang spanischer Lieder fort, die sie zu nächtlicher Stunde in den Wirtshäusern zur Laute vortrug, fand im König der Prager Verbrecher ihren Beschützer, von dem Höfling Philipp Lang von Langenfels verfolgt, widersetzte sie sich ihm und wurde in den Gefängnisturm Daliborka gesetzt, von wo sie der König selbst befreite; sie wollte das Prager Ghetto vor einem verbrecherischen Anschlag retten, aber die Juden schenkten ihr keinen Glauben und sie wurde von ihnen gesteinigt. Während der Pöbel das Prager Ghetto plünderte, starb sie auf dem Judenfriedhof in den Armen des Priesters Lavinius. — Neben Mirjam, die nicht nur unhistorisch, sondern auch ganz unnatürlich dargestellt wird, spielt in de Wetters Roman Philipp Lang eine wichtige Rolle. Diesen stempelte der Dichter ganz gegen die historische Wahrheit zu einem Juden, nur um alle Spitzbübereien und Verbrechen dieses unsauberen Gesellen den Juden anzukreiden (siehe über Ph. Laag von Langenfels meinen Aufsatz in Hickls Jüdischem Kalender 1926). In derselben Zeit wie Jiräseks „Finsternis" spielt der Roman „D i e Jüdin" (Zidovka) von F. J. Cedetka. Auch dieser schildert die Leiden der Juden um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts in den düstersten 54