Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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rischen Glauben anhing, Besitzer ketzerischer Bücher war und deshalb unter Zurücklassung von Hab und Gut und seiner Kinder vor den Jesuiten flüchten mußte. Um wie viel edler handelt dieser kleine Jude an den armen verlassenen Kindern als die bigotte katholische Bevölkerung jener Gegend! Wir erfahren nebenbei aus dem Roman, welchen Leiden die Juden auf dem Lande und auch in den Städten zur Zeit der Gegenreformation ausgesetzt waren und wie leicht und ohne jede Schuld sie in verhängnisvolle Prozesse verwickelt würden. In zwei kleinen Bildchen (Szene im Kaffeehaus des Lazar Gollerstepper und wie der Prädikant Vostry Schaje Schamschon um Einlaß in sein Haus bittet) gewährt Jiräsek Einblick in das Nachtleben im Prager Ghetto; es ist aus ihnen auch zu entnehmen, wie die bedrückten Böhmischen Brüder mit ihren jüdischen Leidensgenossen gemeinsame Sache machten. Eine weniger sympathische Figur ist der Jude Holländer in der dem Leitomischler Milieu entnommenen Erzählung „Das Ritterhaus" (U rytifü). Er bringt eine arme Witwe in arge Bedrängnis, um ihr Haus ihrem christlichen Nachbar gegen eine Belohnung in die Hände zu spielen. Der bedrängten Frau springt ein Professor des Leitomischler Gymnasiums, ein Piaristenpater, bei; er verkauft seine kostbare Münzensammlung und rettet sie aus den Klauen Holländers. Der Dorfroman „Bei uns zu Hause44 (U näs) wird in einem anderen Zusammenhang besprochen werden. Jiräseks Zeit- und Berufsgenosse Siegmund Winter (1846—1912) widmete den Juden zwei wissenschaftliche Abhandlungen, die bis vor kurzem die einzigen auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden Arbeiten über die kulturhistorischen Verhältnisse der Prager Juden waren. In seinem Monumentalwerk „Das Kulturbild böhmischer Städte" (Kulturni obraz ceskych mest) befindet sich ein Kapitel (Bd. I, S. 171—213), das die Überschrift „Die Juden" trägt, ferner schrieb er für das in Prag im J. 1902 erschienene Buch „Ghetto" den Aufsatz „Die Prager Juden im 16. Jahrhundert" (Prazsti Zide v 16. veku). Aber auch in anderen Aufsätzen, wie z. B. „Doktoren und Ärzte im 16. Jahrhundert" (Doktofi a lekari v 16. veku), „Haus der Kauf leute" (V kupeckem Tyne), ist von Juden die Rede. — Während sich Winter in seinen wissenschaftlichen Schriften einer anerkennenswerten Objektivität den Juden gegenüber befliß, ließ er sich in den belletristischen Arbeiten, wie z. B. im „Meister Ka mp an us" und „Das Findelkind Rosina" (Rozina sebranec), zu mancher Schmähung der Juden hinreißen. Im „Meister Kampaaus" erklärt uns das der Umstand, daß die Juden in der Schlacht am Weißen Berge mit dem katholischen Heere Ferdinands und 52