Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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Eine große Rolle spielt das jüdische Element im zweiten Teil von Jiräseks Trilogie „Zwischenden Zeitströmen" (Mezi proudy), im „Sohn des Feuerreiters" (Syn ohnivcüv), in dessen Mittelpunkt der Prager Judenpogrom von 1389 steht. Als Ursache des Pogroms wird (nach Tomeks „Geschichte der Stadt Prag" und der „Passio Judaeorum Pragensium") die Schmähung eines auf dem Versehgang befindlichen Priesters durch die beiden Juden Schalun und Sleml angegeben. Der Pogrom wird sehr ausführlich mit all seinen Schrecken beschrieben und als Schmach für die Prager christliche Bevölkerung, die so etwas zuließ, hingestellt. Mit dieser traurigen Begebenheit wird die Liebesgeschichte Josefs, eines Enkels des Schames Temchen, mit Sohaluns Tochter Malke in Verbindung gebracht. Malke wurde gleich zu Beginn des Pogroms von ihren eigenen Glaubensgenossen angegriffen und verwundet, weil ihr Vater das Unglück verschuldet hatte; der christliche Arzt Dr. Osvetlo nahm sich ihrer an und brachte sie in sein Haus. Von dort kam sie ins St. Agneskloster, um der Taufe zugeführt zu werden. Josef entführte sie und. flüchtete mit ihr nach Südböhmen zu Verwandten. Um sich an König Wenzel IV., der das furchtbare Blutvergießen an 3000 Juden ungestraft ließ, zu rächen, trat Josef in die Dienste des Herrn Heinrich v. Rosenberg, der in Verbindung mit dem Prager Erzbischof dem König nach dem Leben trachtete und in dem Hofgaukler 2ito bereits einen Mörder gedungen hatte. Vom Herrn v. Rosenberg mit einer Botschaft zu 2ito geschickt, nahm er Malke mit, um sich mit ihr in Prag vom Rabbi Avigdor Karo trauen zu lassen. Sein Prager Versteck wurde von einer eifersüchtigen Rivalin Malkes verraten und Josef erhielt im Kampfe mit den Soldaten, die ihn verhaften kamen, eine tödliche Wunde. Malke fand mit ihm zusammen den Tod. — Jiräsek, der in diesem Roman eine schwere Anklage gegen die christliche Bevölkerung Prags aus der Zeit Wenzels IV. erhebt, steht auf Seite der verfolgten Juden und macht die Dominikaner, die in ihren Predigten das Volk gegen die Juden hetzten, für das Blutvergießen verantwortlich. Dieser judenfreundlichen Einstellung entsprechend werden die jüdischen Personen, z. B. Avigdor Karo, der Schames Temchen, Josef und Malke mit durchwegs sympathischen Zügen ausgestattet. Interessant sind für den Leser auch die eingestreuten kulturhistorischen Bemerkungen Jiräseks über die Juden Prags im 14. Jahrhundert. In einem anderen Roman Jiräseks „Die Finsternis" (Temno, der Name rührt daher, weil die Handlung in der Zeit der Gegenreformation, stlso der Herrschaft des Jesuitismus, spielt) begegnen wir in der Nebenfigur des Garnhändlers Lazar Kisch einer prächtigen Judengestalt, voll von selbstloser Güte und Aufopferungsfähigkeit. Er nimmt sich der Kinder des Jägers Machovec an, der im geheimen dem luthe- 51