Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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in dem Buche „Prager SagenundLegenden" (Prazske povösti a legendy), in das er zwölf Sagen jüdischen Inhalts aufnahm. Er berichtet über die Prager Altneuschul und über den alten Judenfriedhof, er gibt die Erklärung für das Vorhandensein einer Judengestalt auf dem Prager Veitsdom und erzählt die Geschichte von dem in der Teinkirche begrabenen Knaben Simon Abeles, .er gibt die Sagen von Rabbi Low wieder u. a. m. In seinen wissenschaftlichen Werken, z. B. „Aus dem alten Prag" (Ze stare Prahy), „Kulturgeschichtliche Bilder Böhmens" (Obrazy z kulturmeh dejin ceskych), „Prag zur Zeit Rudolfs II." (Praha za doby Rudolfa II.), wird an mehreren Stellen der Juden Erwähnung getan. Ein tschechischer Walter Scott ist Alois Jiräsek (1851—1930). Er behandelt in seinen zahlreichen historischen Romanen nahezu die ganze Geschichte Böhmens von der heidnischen Zeit angefangen bis zum Jahre 1848. Für seine hervorragendsten Werke entnimmt er den Stoff der Geschichte der hussitischen Bewegung, der Bauernaufstände im 17. Jahrhundert, der Gegenreformation und der tschechischen Wiedergeburt. Jiräseks „Alte Sagen aus Böhmen" (Stare povesti ceske) enthalten vier Alt-Prager jüdische Sagen. Die erste beschreibt die Prager Judenstadt und beschäftigt sich mit der Altneusynagoge. Die zweite knüpft an die Person Mardochai Meiseis an; sie berichtet über seinen Aufstieg und seinen Wohltätigkeitssinn. In der dritten ist die Rede von Rabbi Jehuda Löw ben Bezalel und dem Golem. Die vierte ist eine Beschreibung des alten Prager jüdischen Friedhofes. Im Ceskozidovsky kalendäf 1913/14 veröffentlichte Jiräsek die Sage „Rabbi Löw und d e r T o d", in der er dasselbe Thema behandelt wie Vrchlicky in dem Gedichte „Die erste Ros e". Lange kämpfte Rabbi Löw gegen den Tod. Endlich wurde er von diesem überlistet. Der Tod hatte sich in einer Rose verborgen, die Löws Enkelkind seinem Großvater darbrachte. In dem Roman aus Jiräseks Jugendzeit „Die Unfreie" (Nevolnice), wird anknüpfend an die Nachricht von den Reisen des spanischjüdischen Sklavenhändlers Ibrahim Ibn Jakub durch Böhmen der in unseren Ländern im 8. Jahrhundert herrschende Sklavenhandel beschrieben. Der jüdische Angestellte Ibrahims, Becher, ward in ungünstigstem Lichte gezeigt. Sein rohes und rücksichtsloses, nur von Gewinnsucht geleitetes Vorgehen gegen die Sklavin Kveta bringt ihm den Tod. Jiräsek verleugnete in späterer Zeit diesen Roman, vielleicht nicht so sehr der antisemitischen Tendenz als vielmehr der geringen künstlerischen Qualität wegen und nahm ihn in seine Gesamtausgabe nicht auf. 50