Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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sich gegen den Zionismus, dem er ziemlich verständnislos gegenübersteht, und redet der jüdisch-slowakischen Assimilation das Wort. Es seien noch einige Dramen aus dem Stadt- und Dorfleben erwähnt, die, wenn auch nur episodenhaft, jüdische Figuren enthalten. In Fr. Ferd. Samberks (1839—1904) „Podskalak", in dem die Bewohner eines bestimmten Prager Stadtteiles in den schönsten Farben dargestellt werden, begegnen wir dem Bankier Sommerfeld, der als junger Mann das Dienstmädchen seiner Eltern verführt und in Schande gebracht hatte, nach 23 Jahren aber das Unrecht an ihrem (und seinem) Sohn wieder gut zu machen versucht. Anton Lokay zeichnet im Lustspiel .JR o s e n f e s se 1" (Rüzovä pouta) einen unsympathischen jüdischen Heiratsvermittler. Ladislav Stroupeznicky macht in „Unseren flotten Jungen" (Nasi furianti) den Juden Markus Ehrmann zur Zielscheibe des Spottes seiner Gäste. Ins ostjüdische Milieu führt Emil * Tr^vals „Krieg der Götter" (Välka bohü). Es sei hervorgehoben, daß dem tschechischen Dichter die Zeichnung ostjüdischer Charaktere vorzüglich gelang. Einen jüdisch-bolschewistischen Emissär, der in Prag ein politisches Attentat anzettelt und rasch verschwindet, den Attentäter aber in der Tinte läßt, schildert Jaroslav Hilbert im „Anderen Uf e r" (Druhy bfeh). Der bereits einmal erwähnte Dichter Stanislav Lom schrieb das Mosesdrama von großem künstlerischen Wert „Der Führer" (Vüdce), Peter Fingal dramatisierte in den „Söhnen Jakobs" (Synove Jakubovi) die Geschichte vom ägyptischen Josef. III. Der historische Roman. Der historische Roman spielt in der tschechischen Literatur eine wichtige Rolle. War er doch dazu berufen, nicht nur historische Kenntnisse den breitesten Schichten der Bevölkerung zu vermitteln, sondern auch deren nationales Bewußtsein hervorzurufen und zu stärken. Und gerade diese Mission erfüllte der historische Roman zur Zeit der Wiedergeburt des tschechischen Volkes in hervorragender Weise. Groß ist die Zahl der Verfasser historischer Romane, von Kliepera, Tyl, Ohocholousek, Jan z Hvezdy angefangen, bis zu Jiräsek, Winter, J. F. Karas und Jaroslav Durych, und in mehreren Werken begegnen wir jüdischen Gestalten. Die Sagen des Prager Ghettos erfuhren auch außerhalb der Judenstadt große Verbreitung und wurden wiederholt aufgezeichnet. Dies tat in tschechischer Sprache der Kulturhistoriker Josef Svätek (1835—1897) 49