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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 51

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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dennoch, seine Handlungsweise zu verstehen und mit den Leiden und Verfolgungen des jüdischen Volkes zu motivieren. Eine Satire auf die gesellschaftlichen Verhältnisse Böhmens bei Kriegsausbruch, während des Krieges und zur Zeit nach dem Umsturz enthält St. Loms Tragikomödie „Der Umsturz" (Pfevrat). Der Idealist Adam, der seinem Volke die größten Opfer gebracht, ihm die Freiheit erkämpft hatte, geht bei den nach dem Umsturz stattfindenden Wahlen leer aus, ja er wird sogar aus der Republik ausgewiesen, weil er der Regierung als gefährlich erscheint. Altösterreischische Patrioten, Nutznießer des Krieges, reißen auch jetzt wieder die Regierungsgewalt an sich. Es kommt zu einem neuen Umsturz, der erst die ersehnte Weltordnung bringt. In der Reihe der tragischen, komischen und tragikomischen Figuren des Stückes befinden sich auch zwei Juden: der ideal veranlagte Dr. Harry Rosenbaum, ein Kommunist, der gleich dem Helden des Stückes für eine neue Weltordnung kämpft und für sie sein Leben hingibt, und dessen Vater Jakob Rosenbaum, ein mit allen Salben geschmierter, jede Konjunktur erfassender und ausnützender Geldmensch, der, während des Krieges zum Baron Rosen erhoben, sich nach dem Umsturz den nützlicheren Namen „Rüzicka" beilegt. Die slowakischen Nachkriegsverhältnisse spiegeln sich in Josef Tills Drama „Dießass e" (Rasa) wider. Das Stück spielt in der Nähe von Komorn, wo im Frühjahr 1919 der Kampf der Rotgardisten Bela Kuns mit der tschechoslowakischen Besatzungsarmee am heftigsten entbrannt war. Es beschäftigt sich mit der Judenfrage in der Slowakei und einem ihrer Bestandteile, dem Schnaps- und Spiritushandel, der sich nahezu vollständig in jüdischen Händen befindet. Daneben wird die Rassenfrage erörtert. Die Heldin des Dramas, Ilonka Török, hieß ursprünglich Sarah Machschew. Sie war die Tochter des Rabbiners von Zloczow und heiratete nach kurzer, sehr glücklicher Ehe mit dem früh verstorbenen ungarischen Hauptmann Bella den Großgrundbesitzer in der Pusta Kistur bei Komorn, Geza Török, einen eingefleischten Magyaren und wütenden Antisemiten. Török hält große Stücke auf die durch Zertifikate beglaubigte Reinrassigkeit seiner englischen Hunde und amerikanischen Pferde. Nun will er heiraten. Er stellt an die seelischen Vorzüge seiner zukünftigen Gattin keine besonderen Ansprüche, wenn sie nur eine reinrassige Ungarin ist. Sein Faktotum, der jüdische Schnapsbrenner Parach Israel, wird beauftragt, ihm eine solche zu finden. Und Parach führt ihm Ilona zu. Über ihr Judentum täuscht er den ungarischen Edelmann mit einem gefälschten Taufschein hinweg. Ilona verfällt aber in jene Krankheit, deren Opfer eine Jüdin leicht wird, die einen Christen zum Mann nimmt: die Sorge, daß ihr Mann ja nicht in ihr die Jüdin er- 47

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