Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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gewähren. Falu Eliab erfüllt auch diese Bitte und der größeren Sicherheit wegen — sein Haus in der Judengasse könnte ja leicht von plündernden Soldaten heimgesucht werden — bringt er das Mädchen zu seiner treuen Dienerin Veronika, die außerhalb der Judenstadt wohnt und sich mit Quacksalberei beschäftigt. Er wird aber mit Veronika und seinem Schützling das Opfer Pfibik Jeniseks, eines wiederholt abgestraften Individuums, das jetzt als Spitzel der neuen Regierung zu Macht gelangt war. Alle drei werden des Verrates und der Hexerei angeklagt, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Mit Hilfe des Henkers Jan Mydläf (einer durchaus sympathischen Figur, deren Rolle sich Kolär, der auch ein gefeierter Schauspieler war, auf den Leib geschrieben hat) gelingt es ihnen zu fliehen. Sie werden aber von Pfibik Jenisek, der es bis zum kaiserlichen Prokurator gebracht hatte, verfolgt und an der Landesgrenze, wo ihnen schon die Freiheit winkt, .erreicht. Verena vermag sich noch zu retten, aber Falu Eliab fällt durch einen Schuß der Verfolger. Das Stück verdankt seine Popularität dem dritten Akt, in dem die traurigste Begebenheit aus der böhmischen Geschichte, die Hinrichtung der aufständischen Adeligen am Altstädter Ring zu Prag am 21. Juni 1621, in nervenaufpeitschender Weise dargestellt wird. „Der Prager Jude" ist nicht frei von Fehlern. Am meisten stören grobe Verstöße gegen die historische Wahrheit. So hat es z. B. einen tschechischnational gesinnten Juden, wie ihn Kolär in Falu Eliab zeichnet, im 17. Jahrhundert nicht gegeben. Auch wissen wir heute aus Geschichtsquellen, daß die Prager Juden Anhänger Ferdinands und nicht Friedrichs v. d. Pfalz waren (siehe Proseks Aufsatz im Jahrbuch I). Der Dichter, ein Freund und Förderer der eben erwachenden tschechisch-jüdischen Bewegung, will in seinem Stück das Ideal eines tschechischen Juden darstellen. Er begeht aber auch Fehler in Einzelheiten, wenn er z. B. Falu Eliab jeden Augenblick „svaty Arahame" (heiliger Abraham) ausrufen läßt oder wenn er ihn immer wieder als „balmachoun" (anstatt balboth) bezeichnet, und wenn er schließlich das Sukkothfest im Mai ansetzt. Trotz seiner Mängel ist das Stück dennoch vom gesamtjüdischen Standpunkt aus zu begrüßen, denn der Jude, der bisher in der Literatur nur als Wucherer und Schädling der Gesellschaft auftrat, wird hier zum ersten Mal mit sympathischen Zügen ausgestattet. Das Stück bildet das Gegengewicht gegen die damals im tschechischen Volke so verbreiteten antisemitischen Erzählungen eines Frantisek Pravda. Viel unbedeutender als Kolärs „Prager Jude" ist das Drama „D e r Jude aus Prag" (Zid z Prahy) von A. V. Smilovsky (1837—1883). Es behandelt das Liebesverhältnis des jungen Königs Wenzel IV. zu 45