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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 47

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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IRI
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in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für einen tschechischen Dichter nicht sehr verlockend, ein Drama zu schreiben und es bedurfte des Idealismus eines Klicpera und Tyl, sich nahezu ausschließlich diesem Kunstzweig zu widmen. Nach dem Vormärz nahm das tschechische Drama durch Jifi Kolär und Emanuel Bozdech einen gewissen Aufschwung. Neben ihnen bereicherten das Repertoire Vitezslav Halek und Jan Neruda, deren Stärke jedoch auf einem anderen Gebiet als dem des Dramas lag. Die Eröffnung des Prager tschechischen Nationaltheaters (mit Smetanas „Libusa") am 15. Juni 1881 bildet einen Markstein in der Entwicklung der tschechischen dramatischen Kunst. Das Interesse für sie wurde größer, und Dichter wie Boh. Adämek, Julius Zeyer und Jaroslav Vrchlicky stellten sich in ihren Dienst. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dringt der französisch« Naturalismus ins tschechische Drama ein. Ladislav Stroupeznicky, Alois Jiräsek, die Brüder Mrstik und Gabriela Preissovä bringen wahrhafte Volkstypen auf die Bühne. Um die Jahrhundertwende zeigt sich Ibsens Einfluß (Verlegung der Handlung aus der äußeren Welt ins Innere des Menschen, Kritik des modernen Gesellschaftslebens), insbesondere bei Jaroslav Hilbert, den das Drama „D i e Schuld" (Vina) mit einem Schlag berühmt machte. Die meistgespielten Dramatiker der Gegenwart sind Jaroslav Maria, Jifi Mähen, Karl und Josef Capek, Arnost Dvorak, Franz Langer und Stanislav Lom. Der an der Wiege des tschechischen Dramas stehende Joh. Nep* Stepänek (1783—1844), der seiner großen dramatischen Produktivität wegen als tschechischer Kotzebue bezeichnet zu werden pflegt (ohne sich freilich auch nur annähernd mit dem deutschen Dramatiker messen zu können), schuf in dem jüdischen Einbrecher Aron Bouchem im Drama „D er T,s c h e ch e und der D e u t seh e" (Cech a Nemec) eine ebenso abstoßende wie unnatürliche Figur; unnatürlich darum, weil Bouchem viel zu feige ist, als daß er einen Einbruch wagen würde. Nach ihm brachte als erster Wenzel Klement Klicpera (1792—1859) jüdische Gestalten auf die Bühne. Die liberale Ära des Vormärz ging an ihm nicht spurlos vorüber und so finden wir unter seinen 56 Stücken auch zwei Judendramen: das Schauspiel „Die Israelitin" (Israelitka) und das Lustspiel „Das Warschauer Aschenbrödel" (Popelka varsavskä). „Die Israelitin" spielt im 14. Jahrhundert in Königgrätz und enthält das in der Literatur häufig wiederkehrende Motiv: die Liebe eines christlichen Edelmannes, hier des Herrn v. Castolov, zu der vermeintlichen Jüdin Judith (Leasings Tempelherr—Recha), die als christlich uneheliches Kind gleich bei der Geburt der Jüdin Agar verkauft worden war, als diese ein totes Kind zur Welt gebracht hatte. Judith und Castolov werden wegen ihres unerlaubten Liebesverhältnisses von dem Kreisrichter (dem natürlichen Vater Judiths) zum Tode 43

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