Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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zu erpressen und sich so die Mitgift für einen dritten Mann zu verschaffen. Bei Antonüi Sova (1864—1928), neben Otokar Bfezina dem bedeutendsten Vertreter der tschechischen Dichtung, finden wir jüdische Motive nur ganz vereinzelt. Ähnlich wie Sv. Cech fühlt auch er sich abgestoßen von dem jüdischen Kaufmann, dem Ausbeuter des tschechischen Bauernstandes, ohne jedoch gegen das gesamte jüdische Volk voreingenommen zu sein. Er beklagt in dem Gedicht „D i e Bauern4' (Sedläci), daß seine Landsleute, von Not bedrückt, dennoch vom Hader nicht ablassen; das Elend nistet sich bei ihnen immer mehr ein und sie werden „vom Juden jahraus jahrein dezimiert". — An der Börse vorübergehend, muß er unwillkürlich an seine Heimat denken, wo sich die Bauern im Schweiße ihres Angesichtes plagen, um nur das Notwendigste zu verdienen, während der Kaufmann an der Börse mühelos seinen Gewinn einheimst („Die Börse"). Bemerkenswert ist noch die „Ballade von der schönen Jüdin" (Baiada o kräsne Zidovce), worin vom Tode einer jüdischen Schönheit die Rede ist, die ihrer Untreue wegen von ihrem Geliebten beim Verlassen der Synagoge erschossen wird. II. Das Drama. Das Drama stand in der tschechischen Literatur bis vor kurzem unter allen Dichtungsgattungen an letzter Stelle. Brachte es die tschechische Lyrik durch Neruda, Vrchlicky, Sova, Bfezina, die Epik durch Cech und Zeyer, der Roman durch Jiräsek, Winter, die Brüder Mrstik, Capek-Chod, Holecek u. a. zu einigem Ansehen (dank der deutschen Übersetzungen auch im Ausland), so können wir das Gleiche vom Drama nicht behaupten. Die Aufmerksamkeit des Auslandes lenkte das tschechische Drama erst in allerletzter Zeit durch die Stücke der Brüder Öapek und Franz Langer auf sich. Ein Hauptgrund der kümmerlichen Entwicklung des tschechischen Dramas war der Mangel irgendeiner ständigen tschechischen Bühne, wie sie die Deutschen schon seit Leasings Zeiten besaßen. In Prag wurde erst im Jahre 1862 das sogenannte „Provisorische Theater" und im Jahre 1881 das „Nationaltheater" errichtet. Bis dahin wurden tschechische Theatervorstellungen nur an Sonntag- und Feiertag-Nachmittagen am Prager deutschen Standestheater und an anderen Prager Bühnen oder von fahrenden Schauspielern und Dilettanten auf Provinzbühnen veranstaltet. Daß sich unter solchen Umständen das tschechische Drama nicht entfalten konnte, ist nur zu begreiflich. Es war 42