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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 45

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
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Witkowitz und Teschen, das uns der Dichter in Versen vermittelt, die wie Donnerschläge in unsere Ohren dröhnen. Aber in das Mitleid mischt sich bitterer Wermut. Muß es uns Juden, aber auch jeden unvoreingenommenen nichtjüdischen Leser nicht wundern, daß der Dichter, der auf der einen Seite das an seinen Volksgenossen verübte Unrecht so schmerzlich empfindet und es mächtig wie kein zweiter in die Welt hinauszuschreien versteht, andererseits in den extremsten Antisemitismus verfällt! Wie unrecht er handelt, sehen wir am besten aus den dokumentarischen Belegen, über die von Bezruc so geschmähten Nathan Löwr und Marchfelder (richtig Hochfelder), die in Wirklichkeit sehr brave, redliche, wohltätige und in der ganzen Gegend sehr angesehene Kaufleute waren (siehe Näheres über sie in meinem Buche). Eine Genugtuung haben wir Juden: daß nämlich Bezruc von unserer Seite Böses mit Gutem vergolten wurde. Den beiden Juden Fuchs und Werfel hat er es zu danken, daß sein Ruhm in die Welt hinausgetragen wurde. Wer wüßte außerhalb der Tschechoslowakei etwas von der Existenz eines Bezruc, wenn nicht Fuchs seine Gedichte ins Deutsche übersetzt und somit der übrigen Welt vermittelt hätte! Welch' unverdiente, großmütige Widerlegung des Dichters Peter Bezruc und seines Antisemitismus!28) Neben Peter Bezruc pflegt in der tschechischen Literaturgeschichte der Name Viktor Dyks (* 1877) genannt zu werden. Auch er fällt seiner jüdischen Motive wegen in den Rahmen unserer Betrachtung. Dyk behauptet in seinem satirischen Gedicht „K o h n und B 1 o c hu, daß der arme Jude mit den Tschechen, der reiche aber mit den Deutschen gehe. Den Kehrreim bilden die beiden Verse „Bloch, ten nie nemä a je s nämi? Kohn, neco mä, je proti näm" (Bloch hat nichts und geht mit uns, Kohn ist vermögend, der geht gegen uns). Ferner zeichnet Dyk jüdische Gestalten in seinen beiden Romanen „Geheimnisvolle Abenteuer des Alexej Ivanyc Kozulinov" („Tajemnä dobrodruzstvi Alexeje Ivänovice Kozulinova") und in den „Fingern d e s H a b a k u k" („Prsty Habakukovy"). Der erste ist ein Schlüsselroman aus dem Krieg, hinter dem Helden Kozulinov verbirgt sich Dr. Kramär, und die Handlung ist eine Satire auf das österreichische Gerichtswesen zur Zeit des Krieges. Eingeschaltet ist eine auf Wahrheit beruhende Erzählung, wie der Jude Radnitz verhaftet und dem Gerichte eingeliefert wurde, weil er sich nach der Eroberung Przemysls nicht an dem katholischen Festgottesdienste beteiligte. (Die Erzählung bezieht sich auf Herrn Julius Popper in Raudnitz.) Im zweiten Roman werden eine geschwätzige und auf ihren Nutzen allzusehr bedachte, jüdische Quartiergeberin, Frau Mandelik, und ihre kokette Tochter Irma gezeichnet, die es versteht, mit Hilfe ihrer Mutter zwei Liebhabern Geld 41

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