Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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starben im Frondienst des reichen polnischen Magnaten Marquis Gero. Fünf Waisenkinder blieben zurück und das älteste von ihnen, Maritschka Magdönova, sollte ihren Geschwistern Vater und Mutter, Beschützerin und Ernährerin sein. An einem kalten Wintertage holte das Mädchen ein Bündel Holz aus dem gräflichen Forst. Vom Friedeker jüdischen Bürgermeister Marchfelder angezeigt, wurde sie von einem Gendarmen abgeholt und bitter weinend in den Arrest nach Friedek geführt. Friedeker Großbürger, Damen aus Friedek verspotteten sie; Marchfelder blickte ihr höhnend nach. In einem unbewachten Augenblick entwand sich Maritschka Magdönova ihrem Aufseher und sprang in die brausende Ostravica. Sie wurde am Friedhof zu Hammer, hart an der Mauer beerdigt, wo jene ruhen, die selbst Hand an sich gelegt hatten. Bezruc' Zorn wendet sich nicht nur gegen die Rothschilds und Gutmanns („E ine garstige Visio n") und gegen die jüdischen Kaufleute, die in den Städten wohnen („Hannakisches Dorf"), sondern gegen das gesamte Judentum. Als er einst nach Jahren wieder in seine Heimat kam, da erfaßte ihn großer Schmerz wegen der Veränderungen, die er dort vorfand. Der Ort war polonisiert, der Dichter hörte die Kinder in der Schule polnisch beten, auf dem Friedhof waren gar viele Kreuze mit polnischen Aufschriften. Am schwersten aber traf ihn die Wahrnehmung, daß sich sechs Juden im Dorfe angesiedelt hatten, und daß sogar der Bürgermeister ein Jude war („D ie Rückkeh r"). Und weiter beklagt er, daß sich in allen Dörfern auf dem Wege vom Ostrau nach Teschen Juden festgesetzt hätten. Diese waren die Besitzenden und Mächtigen, dem Volke blieb nichts als die Haue, mit der es seinen Ausbeutern fronte („V o n Ostrau nach T e s c h e n"). In dem Gedichte „Anemonen" wirft Bezruc den Juden den Mißbrauch der schlesischen Mädchen vor: Vorfrühling war es, früher Frühling. Und nach Wien um Arbeitslohn zog von Smilowitz das Mädchen, eilte nach der Station. Eben traf der erste warme Strahl den kahlen Hügel kaum: Glocken, dunkelblaue Glocken stiegen aus dem Stengelflaum. Und .ein schmaler Pfad den Hügel läuft hinan, verläuft sich klein — Juden, Händler sind's aus Teschen, pflücken jene Blume rein. 39