Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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von Gedichten über Mose zu schreiben. Daraus erhielt sich das in den „Bekenntnissen eines Schriftstellers" abgedruckte Mosegedicht,, eine für einen Tertianer gewiß anerkennenswerte Leistung. Machars Sammlung „G o 1 gatha" enthält zwei biblische Gedichte: „Der Tod König Davids" (Smrt kräle Davida) und „König Salomon" (Kral Salomoun), in denen die negativen Züge der beiden jüdischen Herrscher besonders hervorgehoben werden. In einer Gruppe von Gedichtsammlungen mit dem gemeinsamen Titel „Das Gewissen der Welt" (Svedomim vekü) versuchte Machar, ähnlich wie Vrchlicky in den „Bruchstücken einer Epopöe", die Geschichte der Menschheit poetisch darzustellen. In diese Gruppe gehören folgende Bücher: „Im Strahl der hellenischen Sonne" (V zäfi hellenskeho slunce) und „Gift aus Judäa" (Jed z Judey), die die Antike behandeln, „DieBarbare nu, welche Bilder aus der Zeit der Völkerwanderung und der mittelalterlichen Kirche enthalten, ^Heidnische Flammen" (Pohanske plameny), eine Geschichte der italienischen Renaissance, „Die Apostel" (Apostolove), die Geschichte der tschechischen und deutschen Reformation und Gegenreformation, „S i e" (Oni), das Zeitalter der französischen Revolution, „Et" (On), Napoleon und seine Zeit, „Die Schritte der Geschichte" (Krücky dejin), das 19. Jahrhundert und der Anfang des 20. Jahrhunderts, „Wo h i n g e 1 a n g en wir" (Kam to speje), die Kriegs- und Nachkrieszeit. Im Buch „Im Strahl der hellenischen Sonn e"19) interessieren uns die beiden Gedichte „Die Wüste" (Pousf) und „Saul". Das erste ist ein Mosesgedicht, das zweite deutet der Titel an. Machar weicht in der Behandlung des biblischen (und auch des historischen) Stoffes von Vrchlicky ab. Während dieser die biblischen Berichte einfach in poetische Form kleidet, wählt Machar einen markanten Augenblick, eine bedeutungsvolle Situation aus dem Leben der dargestellten Persönlichkeit, um damit ihren Charakter zu beleuchten; der biblische oder historische Bericht folgt, irgendwo eingeschaltet, nur nebenbei. Um z. B. die Wanderung der Juden durch die Wüste zu beschreiben, reiht Machar nicht Bericht an Bericht, sondern er entwirft ein vielsagendes, sich jedem Leser tief einprägendes Bild. Das jüdische Volk zieht in stark herabgekommenem Zustand durch die unwirtliche Wüste. Den hilflosen Männern schaut Verzweiflung aus den Augen. Auf den Rücken der Kamele sitzen müde, abgemagerte Jüdinnen mit ihren Säuglingen an den milchlosen Brüsten. Die älteren Kinder sind mit Riemen an den Seiten der Kamele festgeschnallt und leiden sehr unter der beständigen schaukelnden Bewegung. Selbst die Kamele isind eo resigniert, daß sie das Gräschen, das hie und da am 35