Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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dem alten Judenf riedho f " fordert er für die Juden religiöse Toleranz und von den Juden Assimilation an das tschechische Volk.16) Jar. Vrchlicky machte Schule. Eine ganze Anzahl tschechischer Dichter, wie z. B. A. E. Muzik, Bohdan Kaminsky, Frantisek K v a p i 1, Karel Kucera, Jaromir Borecky u. a. folgten seinen Spuren, wurden seine Epigonen. Bezeichnend ist, daß sich diese auch in bezug auf die Wahl jüdischer Stoffe von ihrem Meister beeinflussen ließen. A. E. Muzik gibt im Gedichte „Das Nest" (Hnizdo) die Erklärung für den tausendjährigen Bestand des jüdischen Volkes und vergleicht im „Letzten Propheten (Posledni prorok) das Schicksal des jüdischen und tschechischen Volkes; Dieses gehört in die Gruppe der die tschechisch-jüdische Bewegung fördernden Gedichte ebenso wie Eohd. K amim skys „Auf dem Boden der Väter" (Na püde otcüv) und F. X. S v o b o d a s „Den tschechischen Juden" (Ceskym zidüm). Die Epigonen Vrchlickys, die gleich ihrem Vorbild dem Judentum gegenüber positiv eingestellt sind, entnehmen ihre Stoffe meistens dem Alten Testament, so z. B. Jar. Borecky („R o s a m y s t i c a", „P a r a b e 1"), G. R. Opocensky („Genesis", „A u f dem Berge N e b o", „Sauls Speer", „König Salomo", „Der Tempelbau"). Auf den alten Präger Judenfriedhof beziehen sich B o r e c k y s „B e t h C h a j j i m" und N e z v a 1 s „Der Jiudenf r i e d h o f". Die Schönheit jüdischer Frauen rühmen Jarosl. K vap i 1 („D ie unbekannte Jüdi n", „Eine hebräische Melodi e") und Emanuel Lesehrad („D er Tochter Israel s"). B. M o 1 n a r s „Der Tröster" (Utesitel) lenkt bereits seine Aufmerksamkeit auf den modernen Palästinaaufbau. Nebst Vrchlicky war es unter den tschechischen Schriftstellern J. S. Machar (* 1864), der den Juden die größte Aufmerksamkeit widmete. Trotz seiner manchmal herben Kritik gewisser jüdischer Eigenheiten ist er als ein judenfreundlicher Schriftsteller zu bezeichnen. Die liberale Einstellung war schon durch seine Zugehörigkeit zu Masaryks Realistenpartei gegeben. Machar hatte zeitlebens Fühlung mit jüdischen Kreisen. In seinem Geburtsort Kolin und in seiner zweiten Heimat Brandeis a. d. Elbe gab es größere Judengemeinden. In Prag und Wien, zumal in Bank- und Schriftstellerkreisen, in denen sich Machar bewegte, war das jüdische Element stark vertreten. Man braucht nur seine autobiographischen Werke „Die Bekenntnisse eines Schriftstellers" (Konfese literäta), „Dreißig Jahre" (Tficet let, gemeint sind die 30 Jahre seines Wiener Aufenthaltes), „Rudolfinerh a ii s" (Nemocnice) und „Kriminal" zu lesen, um zu sehen, welche Rolle jüdische Persönlichkeiten in seinem Leben spielten. Aus deren großer Zahl seien hervorgehoben: Die jüdischen Antiquariatsbuchhändler 32