Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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Fühlte sich Vrchlieky zu den Stoffen der Bibel, des Talmud und des jüdischen Mittelalters hingezogen, so konnte er, der Romantiker, an den zahlreichen Sagen des Prager Ghettos nicht achtlos vorübergehen. Unter den Gestalten der Prager Ghettosagen fesselte ihn am meisten der ehrwürdige Rabbi Low Bezalel, dem er die Gedichte „G o 1 e m" und „Die erste Rose" (Prvni rüze) und das Lustspiel „Die Weisheit des Rabbi" (Rabinskä moudrost) widmete. Die beiden Gedichte geben bekannte Prager jüdische Sagen wieder, die „Weisheit des Rabbi" hat folgenden Inhalt: Der Brüsseler jüdische Geschmeidehändler David kommt mit seiner Gattin Recha nach Prag und findet bei Rabbi Low Unterkunft, nachdem er das christliche Gasthaus „Zu den drei Federn" am Kohlmarkt aus Sicherheitsgründen hatte verlassen müssen: Dort war der Kämmerer König Rudolfs II, Filipp Lang von Langenfeis, ein berüchtigter Spitzbub und Schürzenjäger, mit den Juden Isak und Seligman zusammengekotmmen, um ihnen unrechtmäßig erworbene Bilder aus der Galerie seines Herrn zu verkaufen. Er war sofort auf die schöne Recha aufmerksam geworden. Ins Gasthaus „Zu den drei Federn" kommen auch noch der junge Landedelmann Chanovsky, dem Lang seine Braut geraubt hatte, und der sich nun an dem Hofschranzen rächen will, ferner drei junge Maler, die sich über Löws geheimnisvolle Kammer unterhalten. Als sich Lang erhebt, um fortzugehen, stellt sich ihm Chanovsky in den Weg. Es kommt zu einem Handgemenge, bei dem die Maler Chanovskys Partei ergreifen. Der mächtige Lang läßt ihn verhaften. In Rabbi Löws geheime Kammer, die ihm zu phvsikalischen Experimenten dient, hat außer seinem treuen Diener Jechiel niemand Zutritt. Auch seine Gattin Perl nicht, die darob vor Eifersucht vergeht. — Rabbi Low hatte eines Tages ein Christenmädchen aus der Moldau gerettet und gab ihm in der geheimen Kammer Unterkunft. Dort verbarg er auch Davids Frau, Recha, die von Lang verfolgt wurde. Schließlich gelangt auch Spranger, einer jener drei Maler hinein, dem Lang nachstellt, weil er an der Rauferei beteiligt war. Lang pocht an die Tür. Er kommt, um den Begräbnisfond Mardochai Meiseis, den Rabbi Low verwaltet, zu konfiszieren. Er hätte ihn erpreßt, wenn nicht in demselben Augenblick eine königliche Wache gekommen wäre und Lang verhaftet hätte, da seine Spitzbübereien indessen entdeckt worden waren. Rabbi Low, der bei Hof großes Ansehen genießt, verhilft David zu einem großen Geschäft beim König und befreit' Chanovsky aus der Haft. Diesen führt der erste Weg zu Rabbi Low, damit er sich für seine Rettung bedanke. Zugleich kommt eine Gerichtskommission nach dem Geld fahnden, das er nach Längs Angaben bei sich versteckt halte. Rabbi Low klärt alles auf und öffnet die Kammer, in der sich das Geld befindet. 30