Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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dert die unerhörten Martern Akibas nach dem Fall Betars. Dieser sieht vor seinem geistigen Auge auch die Verfolgungen und Qualen seines in alle Winde verstreuten Volkes und betet einen Kaddisch für alle diejenigen, deren Untergang er in der Vision gesehen hatte. Vrchlicky hält sich in einem episch-dramatischen Gedicht (episch ist die Einteilung in 12 Gesänge, einen Pro- und Epilog, dramatisch der szenische Apparat) im großen ganzen an die historischen Berichte — der Auffassung des Werkes gingen gründliche historische Studien voraus14) — und weicht nur in zwei Punkten von ihnen ab: er begründet den Mißerfolg Bar Kocfobas erstens mit den zwischen ihm und den Rabbinern herrschenden Mißhelligkeiten, also mit dem inneren Unfrieden in Israel, und zweitens mit dem Umstand, daß sich Bar Kochba von seiner Gattin Judith verleiten läßt, sich der schwarzen Magie zu ergeben. Neben der unzureichenden Motivierung, die Vrchlicky selbst empfand, hat das Werk noch einen Fehler: Am Anfang und am Schluß der Dichtung ist der Held das jüdische Volk, in der Mitte Bar Kochba. Nun stehen aber Bar Kochba und das jüdische Volk nicht auf einer Linie, Bar Kochba ist nicht sein Repräsentant. Dadurch bekommt die Handlung einen Bruch, der sich noch durch Bar Kochbas Verbindung mit der ersonnenen Judith und die unheilvollen Folgen dieser Verbindung vergrößert. Trotz dieser Mängel fand Vrchlickys Werk bei der tschechischen Kritik großen Beifall. Es wurde als seine bedeutendste Dichtung und als eine der bedeutendsten Dichtungen der tschechischen Literatur überhaupt bezeichnet. Neben Bibel und Talmud beschäftigte Vrchlicky auch das jüdische Mittelalter. Offenbar durch Heinrich Heine angeregt, der im „Romanzero" („Prinzessin Sabat" und „Jehuda ben Halevy") den berühmten „jüdischen Minnesänger" des 12. Jahrhunderts preist, widmete sich Vrchlicky dem Studium Halevys und bildete (auf GruncL der deutschen Übersetzung Seligmann Hellers) in den „Hebräischen Melodien" eine ganze Anzahl von Gedichten dem hebräischen Dichter nach. In den „Hebräischen Melodien" befinden sich auch drei Paraphrasen eines anderen spanisch-jüdischen Dichters, des Salomon Ibn Gabirol. Wie sehr Halevy von Vrchlicky geschätzt wurde, beweist das Gedicht „Nach der Lektüre des Divan v. Jehuda Halevy". Einen mittelalterlichen Stoff enthält ferner Vrchlickys „Mussaph-Gebet" (Modlitba Mussaph). Es ist die Poetisierung der bekannten Legende von Rabbi Amnon, die wir im Machsor für den ersten Roschhaschonotag vorfinden und die die Entstehung der „Unsane taaikef" erklären will. Durch kleine stoffliche Veränderungen und den Dialog erzielt Vrchlickys Gedicht eine größere Wirkung als die ursprüngliche Sage. 29