Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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Ein Torso des dritten Teiles der einst geplanten Trilogie ist das Gedicht „Ahasvers Versöhnung" (Smir Ahasverüv). Der Fluch der Jahrtausende hatte sich an Ahasver erfüllt. Er fühlt, daß sein qualvolles Erdenwallen dem Ende entgegengeht. Nach seinen Erfahrungen vermag ihn nichts mehr zu überraschen. Es gibt keine Grausamkeit, die sein Blut noch in Wallung brächte, er ist gegen alles stumpf. Da kommt er im Herbst des Jahres 1621 nach Prag. Er ist Zieuge der Schlacht am Weißen Berge und des Blutgerichtes am Altstädter Ring. Was er da sieht und miterlebt, das bringt ihn wieder aus der Ruhe. Auf der Karlsbrücke sinkt er in die Knie und bittet Gott um Erlösung von diesem Jammertal, denn seine Schuld sei hinreichend gebüßt. Und Gott erhört ihn. Unter dem Rathausturm, wohin er sich noch geschleppt hatte, sinkt er tot zu Boden. Es sei schließlich erwähnt, daß Ahasver auch im „Bar Kochbaa eine Rolle spielt und daß Vrchlicky, offenbar aus Vorliebe für diesen Stoff, auch Hamerlings Dichtung „Ahasver in Ro m" ins Tschechische übertrug. In das Zeitalter des Königs Herodes gehören die Gedichte „H erod i a su und „Schammajund Hille 1". Das erste enthält die biblische Erzählung, die sonst auf Herodes' Tochter Salome bezogen wird (Herodias tanzt vor ihrem Gemahl und fordert als Preis das Haupt Johannes des Täufers, der ihre Liebe verschmäht hatte), das zweite weist auf den Unterschied in den Charakteren und in der Lehre der beiden Führer des Synhedrions, Schammaj und Hillel, hin. Wie bereits erwähnt wurde, studierte Vrchlicky neben der Bibel auch den Talmud. Manche Perle daraus faßte der Dichter in tschechisches Sprachgewand. So zeichnete er das Bild des Talmudgelehrten Miguel von .Sevilla in dem Gedicht „Der Talmudis t". In mehreren Gedichten mit der Überschrift „Talmudmotiv" oder „Talmudische Parabel" gibt er Erzählungen aus dem Talmud wieder und knüpft an sie seine persönlichen Bemerkungen. Dem Talmud ist auch der Stoff zu dem Gedicht „Ben A k i b a" entnommen. Der Diener Ben Akiba liebt die Tochter seines Herrn Azal. Er wird deshalb aus dem Hause gejagt. In der Fremde umherirrend, forscht er nach der 'Geschichte seiner Ahnen und sammelt diese für den Talmud. Nach zehn Jahren kehrt er nach Jerusalem zurück und überzeugt sich, daß ihm Azals Tochter, trotz Scheltens ihres Vaters und wiederholter Versuche, sie zu verheiraten, ihre Liebe bewahrt habe. Aber er zeigt sich der Braut nicht, denn er will sie noch weiter auf die Probe stellen. Ben Akiba geht neuerdings auf Reisen, von denen er in weiteren zehn Jahren, bis er sein Werk vollbracht haben wird, zurückkehren will. Auch da bleibt Azals 25