Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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denn er schuf neben dem Epos „Das Kreuz des Bozetecfo" (Kfiz Bozetechüv) nur einige unbedeutende Ahasver-Gedichte. Anklänge an Ahasver enthalten die Gedichte aus der Jugendzeit: „D e r Korne t" (Vlasatice), „Ah asv ers F r üh 1 i n g s g e s ang" (Jariü zpev Ahasvera) und „Die Verbannten" (Vyhnanci). Vrchlickys bedeutendste Ahasverdichtung ist das bereits erwähnte „K reuz des Bozetec h", eine Legende, in der die Erzählung von einem Abt des Sazavaer Klosters mit der Ahasversage verknüpft wird. Wegen eines Vergehens, dessen sich Abt Bozetech schuldig machte — er setzte bei einer Kirchenfeier dem anwesenden König die Krone aufs Haupt und griff dadurch unberufenermaßen in die Rechte des Bischofs Kosmas ein — wurde er dazu verurteilt, ein lebensgroßes Kruzifix zu verfertigen (er war als Bildschnitzer bekannt) und dieses nach Rom zu bringen. Auf dem Wege über die Alpen betet Bozetech zu Gott, er möge sein Leben abkürzen, denn er habe für das kleine Vergehen bereits genug gebüßt. Da erscheint ihm ein noch mehr geprüfter Dulder — Ahasver. Er nimmt dem müden Priester das Kreuz ab und führt ihn auf eine abschüssige, mit Eis bedeckte Anhöhe. Dort legt er das Riesenkruzifix ab und spricht zu seinem Begleiter: „Es wird die Zeit kommen, wo der Mensch Gott in seinem Innern suchen und finden wird, wo sich die menschliche Seele in Liebe erwärmen und die ganze Menschheit zu einem Volke vereinigen wird. Dann wird auch meine Zeit gekommen »ein, der Tod wird mir ins Antlitz blicken und ich werde zufrieden und versöhnt sterben, denn die Finsternis wird vergehen und Licht wird herrschen.44 Sprachs und verschwand spurlos. „Das Kreuz des Bozetech" ist symbolisch aufzufassen. Die Bildhaftigkeit ist folgendermaßen zu erklären: Bozetech, das Symbol des leidenden Menschen, schreitet kreuzbeladen, nach Wahrheit und Erkenntnis lechzend, über die Alpen, die Höhen des Lebens. Da erscheint ihm Ahasver, das Symbol der durch Vernunft die Wahrheit suchenden Menschheit. Aber auch er gelangt nicht an sein Ziel, denn das Sucher der Wahrheit nimmt kein Ende. So machte Vrchlicky.den Bozetech zum Vertreter der mittelalterlichen Askese, den Ahasver zum Symbol der Aufklärung (Vobornik). Als tschechischen Ahasver bezeichnet der Dichter den Dudelsackpfeifer Schwanda, der Städte und Dörfer durchstreift, um das Volk zu belustigen („D e r t s c h e c h i s e h e A h a s v e r"). In den beiden satirischen Gedichten „Ahasver auf dem Eiffelturm" und „Ein zweiter Brief Ahasver s an die Königin Semiramis nach 10 Jahren" wendet sich V r c h 1 i c k y gegen die Mode- und Reklamesucht, sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. 24