Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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Stoffkreis gehört auch Vrchlickys herrliche Novelle „A b i s a g", die auf dem Buch der Könige I. 1—4 beruht (die Sunamitin Abisag wird an das Krankenlager König Davids berufen, um den durch Kälte leidenden König mit ihrem Körper zu erwärmen). Aus dieser einfachen Erzählung schuf der Dichter durch mannigfache Verwicklungen, durch starke Betonung des * erotischen Elementes und schließlich durch blendende Beschreibung orientalischer Einrichtungen eine Novelle von packender Schönheit. Sie leitet bereits zum Salomostoff hinüber, den Vrchlicky in einer ganzen Anzahl von Gedichten verwertet hatte. Salomo besitzt einen Zauberring. Wendet er dessen Edelstein zu sich, so kann er jedem Menschen in die Seele blicken. So erkennt er die Heuchelei seiner Höflinge und die wahre Gesinnung seiner Frauen. Durch die bösen Erfahrungen gereizt, wirft er den Ring ins Meer und beweist dadurch seine Weisheit („B allade vom Ring des Königs Salom o"). Salomos Umgang mit Dämonen und sein Bewirken von Wundern zeigt das Gedicht „Das Wunder Salomo n i s" (Div Salomounüv). In „H a r u t und Mar u t" ist von zwei in Bäume verwandelten Engeln die Rede, die dafür büßten, weil sie Gottes Pläne bei der Erschaffung des Menschen kreuzten, indem sie diesen zu einem höheren Wesen machten. Diese Fabel, mit einem Erlebnis Salomos verbunden, bildet den Inhalt des Gedichtes, das außerdem noch Vrchlickys Auffassung vom Leben enthält. An Salomos Buch „Kohelet" knüpft ein gleichnamiges Gedicht, an das Hohe Lied die „Idylle aus dem Hohen Lied" (Idylka z Pisne. pisni) an. In den König Salomo-Kreis gehören schließlich noch die beiden erotischen Gedichte „Königin von Sab au, „S u 1 a m i t h" und die Salomos Ende behandelnden Gedichte „Salomos Frauen" und „Der sterbende Salom o". Das Hiobsmotiv enthalten die Gedichte „N a c h H i o b" (Die Joba) und „H i o b s Freunde" (Jobovi pfätele). Im ersten ist von der Nichtigkeit des Menschen die Rede, im zweiten wird erzählt, wie der Dulder seinen falschen Freunden gegenüber den Stolz bewahrte. Mit den Propheten befassen sich die Gedichte „N e b u k a d n e - z a r", „Die Prophete n", „Der Prophet" und „H a g a i". Den Inhalt des letzten bildet der nach der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil in die alte Heimat erfolgte Tempelbau und der Kampf Hagais gegen den Götzendienst seiner Volksgenossen. Ein Lieblingsstoff Vrchlickys, mit dem sich dieser seit seiner Gymnasiastenzeit beschäftigte, war die Geschichte vom ewigen Juden Ahasver.13) Er trug sich zuerst mit der Absicht, eine große Ahasver- Legende in 24 Gesängen zu schreiben, dann dachte er an eine Trilogie. Die hochfliegenden Pläne Vrchlickys gingen nicht in Erfüllung, 23