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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 22

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644305--1028-2645371
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gehaßt habe, er erkennt seinen großen Irrtum und wandelt mit dem Heiland ins Paradies der Liebe. In der Novelle aus der Jugendzeit „Derschimmernde Vogel" (Duhovy ptak) zeichnet Zeyer die Prachtgestalt eines Krämers aus dem Prager Ghetto. Manasse ist das Gegenstück zu den Taiteles, Muneles und Perlsee von Sv. Cech. Ein durch und durch ehrlicher Mensch, ist er der Wohltäter nicht njur jüdischer, sondern auch christlicher Kreise. Wie selbstlos er sich der christlichen Witwe Benda und nach deren Tode ihrer Tochter annimmt, bildet den Inhalt der Novelle. * Es gibt keinen tschechischen Dichter, in dessen Werk jüdische Motive so zahlreich vertreten wären, wie in den Schriften Jaroslav Vrchlickys (1853—1912). Fast 100 Originalgedichte, 2 Theaterstücke, 2 Prosaerzählungen und ein literarhistorischer Essay behandeln jüdische Stoffe. Das mag wie bei Zeyer zum Teil in der jüdischen Herkunft des Dichters seinen Grund haben, denn Vrchlickys Großvater väterlicherseits war noch Jude. Vrchlicky hatte von frühester Kindheit an ein inniges Verhältnis zur Bibel. Den 6—10jährigen Knaben Emil Frida (so hieß Vrchlicky mit seinem richtigen Namen), der von seinem Onkel, dem Pfarrer Ant. Kola? in Ovcary erzogen wurde, fesselten die sagenhaften Erzählungen des Alten Testaments und übten auf ihn den nachhaltigsten Einfluß. Nach der Matura studierte Vrchlicky Theologie und da war es wieder die Bibel, die im Vordergrunde seines Interesses stand. Als er das Studium der Theologie mit dem der Philosophie vertauscht hatte, besuchte er auch weiterhin die Vorlesungen des Orientalisten Prof. Kaempf. Neben der Bibel beschäftigte ihn auch der Talmud und dieser hinterließ in Vrchlickys Werk deutliche Spuren. Das Studium der hebräischen Literatur hatte nicht nur Vrchlickys Toleranz dem Judentum gegenüber zur Folge, sondern brachte ihn mit mehreren jüdischen Persönlichkeiten, wie z. B. mit dem Prager Dichter Hugo Salus, dem jüdischen Mäzen Boh. Bondy, dem Rabbiner Dr. A. Kaminka, dem Redakteur des 'tschechisch-jüdischen Kalenders Karel Fischer, dem in jüdischen Dingen sehr versierten Philipp Lebenhart u. v. a. in innige Berührung. Von ihnen allen ließ sich Vrchlicky über jüdisches Wesen, über jüdische Geschichte und Literatur informieren. Die Wahl so zahlreicher jüdischer Stoffe hat aber noch einen anderen Grund: Vrchlicky trug sich mit der Absicht, in einer zyklischen Epopöe die Geschichte der Menschheit darzustellen. Er führte zwar seinen Plan nicht aus, doch haben wir von ihm Bruchstücke dieser Epopöe (zlomky epopeje). In der Geschichte der Menschheit spielt das jüdische Volk eine viel zu wichtige Rolle, als daß es übergangen werden könnte. Und 18

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