Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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gewährt! Betrachte es nicht als fremde Masse, die nur insoweit Wert für dich hat, als du sie zu deinem Vorteil ausnützen kannst! Schüttle alle entstellenden Überreste der Vergangenheit von dir ab. Lange mußtest du Unglück und Erniedrigung ertragen, nun greifst du mit gieriger Hand nach dem Kelch des Vergnügens, der Macht und der Pracht. Halte ein in diesem Streben, damit du nicht den Dorn des Neides und der Bosheit zu fühlen bekommest. Jahrhunderte lang trugst du Entbehrungen, Schmach und Schande, schütte jetzt nicht das mit Raehelust angefüllte Gefäß auf das Haupt der um Freiheit ringenden Völker! Denk nur an das Slawentum, denk an uns! Mit wie viel Gift und Schmutz bespritzte uns deine Feder, wie eifrig kämpfte auch dein Gold gegen uns! Laß' ab von deiner Habsucht und Goldgier, die dich nur ins Verderben führen können!" Es sei noch erwähnt, daß Sv. Cech an manchen Stellen seines umfangreichen Werkes den Gegensatz zwischen dem mitleiderregenden und verehrungswürdigen Judentum der Vergangenheit und dem zur Kritik reizenden Judentum der Gegenwart aufzeigt. Das geschieht z. B. in der Skizze „Frühlingsphantasie von Ziegeln" (Jarni fantasie o cihläch), „D e r D r a c h e" (Drak), in dem satirischen Gedicht „Kurzweilige Geschichte vom Kiesenvogel V-elikän Velikänovic" und in dem „Ausflug des Herrn Broucek ins 15. Jahrhundert4' (Novy epochälm vylet pana Broueka tentokräte do patnäcteho stoleti). * Der Unterschied zwischen den nationalen und kosmopolitischen Dichtern zeigt sich auch in ihrem Verhältnis zum Judentum. Durch ihre politischen Erfahrungen mit den Juden verärgert, nahmen Neruda und Cech gegenüber dem Judentum eine kritisch feindselige Stellung ein (für Cech gilt das mit gewissen Einschränkungen). Die kosmopolitischen Dichter Zeyer und Vrchlicky hingegen gehen den Kulturwerten des Judentums nach und bemühen sich zu zeigen, was die Welt dem Judentum an Kultairschätzen zu verdanken hat. Das dürfte bis zu einem gewissen Grad auch mit ihrer jüdischen Herkunft zusammenhängen. Julius Zeyer (1841—1901), der mütterlicherseits einer Altprager jüdischen Fajnilie entstammte, als Knabe noch die stickige Ghettoluft atmete und sich an den jüdisch-rituellen Bräuchen ergötzte, wenn er zu seinen Großeltern zu Besuch kam, zeigt in seinem Werk besonderes Interesse für den Glauben seiner Ahnen, für das Alte Testament und für jüdische Kulturstätten (Synagogen und Friedhöfe). Er glaubt in der Bibel den Kulturinhalt der Menschheit zu finden. In der altägyptischen Legende „Assenat" läßt er an einer Stelle einen Boten sagen: „Es naht 15