Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Alfreds Charakter. Es vergehen fünf Jahre, Alfred lebt ohne Charakter und gelangt zu den höchsten Würden und Ehrenstellen. Von einer Rückerstattung des Geldes an Aron will er nichts wissen, denn er hatte sich überzeugt, daß man auch ohne Charakter sehr gut auskommen könne. Ein Seitenstück zu 'Aron im „Versetzten Charakter4' ist Abraham Taiteles in der Erzählung „S ignorina G i o v e n t ü". Abraham Taiteles, der Besitzer einer Maskenkostüm-Leihanstalt, mißbraucht die Not eines kränklichen Diurnisten für seine Reklame. Dieser soll bei einem Maskenball in einem Kostüm erscheinen, das an jedem Knopf, auf jedem Band, an den Schuhen, auf der Mütze und sonst noch an vielen Stellen seines Kleides die Firma des Abraham Taiteles trägt. Abrahams origineller Einfall ruft zwar bei manchen Baübesuchern Bewunderung hervor, aber eine Maske, ein Don Quijote, läßt sich ziemlich laut vernehmen: „Sieh' die jüdische Zudringlichkeit! Die Straßenecken und Zeitungen genügen den Juden nicht mehr, nun hängen sie ihre marktschreierischen Plakate auch schon auf den Rücken des ausgesogenen Christentums." Hier, auf diesem Ball, fühlt der Diurnist seine Jugend (die signorina Gioventü) entschwinden. Sv. Cech geißelt schließlich den jüdischen Krämergeist in seinen beiden Ahasvererzählungen: „Der Besuch des ewigen Juden" (Nävsteva vecneho zida, 1870) und „Der ewige Jude" (Vecny zid, 1882),11) In der zweiten Erzählung, in der Ahasver das Symbol des zähen und widerstandsfähigen Judentums darstellt, erklärt der Dichter, es sei nicht richtig, daß sich der ewige Jude nach dem Tode sehne, im Gegenteil, er sei ihm immer aus dem Wege gegangen, sei es, daß er ihm von den römischen Schwertern oder den Damaszenerklingen der Osmanen, von der Inquisition oder dem Pöbel gedroht habe. Nach den vielen Drangsalen werde er aber jetzt von Gott reichlich entschädigt, denn er beherrsche die Welt durch sein Gold und seinen Verstand. Cech hält dem Ahasver (= der Judenheit) einen Spiegel vor die Augen und erteilt ihm folgende Lektion: „Die dunkeln Schreckbilder, die der Glaubensunterschied und die Verschiedenheit der Herkunft zwischen uns und dich stellten, werden in der Zeit der Menschlichkeit verschwinden. Die aufgeklärten Völker unseres Jahrhunderts zerstörten und zerstören die morschen Trennungsmauern. Aber laß auch du ab von deiner Absonderung und deinem Egoismus, denke nicht immer nur an dich selbst und an den Vorteil deiner Rasse, insbesondere dort nicht, wo du vorgibst, für Kultur, Freiheit und Menschlichkeit zu kämpfen. Vergiß an deine alte Heimat und fühle dich mit vollem Herzen zu dem Lande hingezogen, das dich als Sohn aufgenommen hatte, schmiege dich liebevoll an das Volk, das dir in seiner Mitte Gastfreundschaft 14