Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Schmach und Pein vergalt die Christenheit den Juden jeden Dorn, der aus der schmachvollen Krone in die Stirne des Heilands eindrang." sagt Sv. Cech am Schluß seiner Reiseschilderung. Im Gedichte „D e r Tscherkesse" (Cerkes)10) ist von einem alten Juden die Rede, der von der Hand eines wilden Kaukasiers fällt und sich nicht einmal durch die prächtigsten Geschenke loskaufen kann. Am wirkungsvollsten ist Cechs unvollständiges Gedicht „Die Steppe44 (Step), das einen russischen Pogrom darstellen sollte. Durch die Steppe schreitet ein alter Jude in furchtbar herabgekommenem Zustand. Sein Antlitz und die ihm übriggebliebenen Kleiderfetzen zeigen Blutspuren. Wie ein gehetztes Wild, das den Jägern entronnen, schwankt er weiter. Da erblickt er nach langer Wanderung den Grenzpfahl. Dort bleibt erstehen, wendet sich nach rückwärts, erhebt seine drohende Hand gegen den Himmel und verflucht das unwirtliche Land, a^us dem er fliehen mußte, und dessen Bewohner. — Der Besuch des alten Judenfriedhofes zu Prag bringt Cech den ganzen Jammer des einst so berühmten jüdischen Volkes zum Bewußtsein: daß der Jude weder seines Lebens noch seiner Habe sicher, daß sein Leben eine Kette von Widerständen gegen feindliche Mächte sei, daß sich aber trotz aller Bedrückungen das Judentum bis zum heutigen Tage zu erhalten vermochte, während andere, einst mächtige Völker von der Bildfläche verschwanden („E i n i g e Gedanken zur Judenfrag e44). — In dem Gedichte ,,T r ä u m e44 (Sny), läßt Sv. Cech die Geister derjenigen Menschen erscheinen, die für die höchsten Güter der Menschheit gekämpft hatten: für Vaterland, Glauben, körperliche und seelische Freiheit. Da folgen gleich an zweiter Stelle, nach der Schar des Leonidas, die Makkabäer, „die Verteidiger des heiligen Tempels und des Glaubens ihrer Väter44. — Schließlich sei erwähnt, daß Sv. Cech auf seinen Reisen gerne die Ghetti aufsuchte und deren Romantik und Sehenswürdigkeiten beschrieb. Wir begegnen in seinen Werken der Beschreibung des Krakauer Kazmierz („Verschiedene Judentypen44), des Ghettos von Kutais („Bilder aus Kolchos") und von Konstantinopel („Jestfäb contra Hrdlicka"). Viel abfälliger als über die Juden der Vergangenheit und die bedrückten Juden des Ostens urteilt Cech über seine jüdischen Mitbürger aus Böhmen. Der Dichter zeichnet diese zum Teil realistisch, zum Teil karikiert. Nerudas Einfluß macht sich hier bemerkbar. Doch glaubt sich Cech für sieine Ausfälle entschuldigen zu müssen, indem er sagt, der „frivole Ton44 seiner Skizzen dürfe nicht auf „das gesamte Volk Spinozas, Mendelssohns und Heines44 bezogen werden. Wir finden Cechs Unmut begreiflich, wenn wir seine Stellung in der tschechischen Literatur in Betracht ziehen. Den Führer der nationalen Richtung in der tschechischen Poesie mußte das zähe Festhalten der Juden am Deutsch- 12