Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Pamphlet „Die Angst vor dem Judentum" (Pro strach zidovsky). Von Rieh. Wagners Buch „Das Judentum in der Musik'4 ausgehend und an seine Ausführungen über die Emanzipation des Judentums anknüpfend, nimmt Neruda Stellung zur Judenfrage. Er meint, es könne sich nicht um die Emanzipation des Judentums, sondern vielmehr um die Emanzipation vom Judentum handeln. Der Autor bekennt sich aus nationalpolitischen Gründen zum Antisemitismus. Er wirft den Juden vor, daß sie sich an das tschechische Volk nicht anschließen, obgleich sie in dessen Lande Gastfreundschaft genießen. Die Juden seien, obwohl sie ihre Nationalsprache nicht mehr beherrschen, ein Volk für sich, ein Volk von ausgeprägter Eigenart. Trotz ihrer Zerstreutheit in der ganzen Welt und der Verschiedenheit ihrer Sprache seien sie doch ein einheitliches Volk, verbunden durch ein unverwüstliches Nationalbewußtsein und die messianische Idee. Die Juden leben überall als Fremdlinge. Ihre Fremdheit zeigt sich sowohl in der Wissenschaft und Kunst, wie auch in der Politik. Der Jude verfolge überall nur seine eigenen Ziele, die Ziele seines Volkes und nicht die desjenigen Volkes, in dessen Gemeinschaft er lebt. Die Juden hätten als Sklavenhändler und Wucherer im Mittelalter schwere Schuld auf sich geladen und nur dadurch die Verfolgungen gegen sich heraufbeschworen. In der Gegenwart bedeute das Judentum die höchste, nach der Herrschaft über die ganze Menschheit strebende Macht. Allen Völkern drohe von seilen des Judentums große Gefahr. Sie müssen sich gegen diese schützen, aber nicht durch mittelalterliche Verfolgungen, sondern durch wirtschaftlichen Zusammenschluß, durch Abkehr vom jüdischen Handel, durch Emanzipation vom Judentum. Nach der Erwähnung dieser von gehässigen Ausfällen gegen das Judentum strotzenden Schrift können wir die zahlreichen boshaften und manchmal auch recht geschmacklosen Äußerungen, die in Nerudas übrigen Schriften, namentlich in seinen Feuilletons, zerstreut sind, übergehen. Es sei bemerkt, daß der tschechische Dichter es besonders stark auf die jüdischen Börseaner und Bankiers abgesehen hatte. Während seines Aufenthaltes in Wien im Jahre 1873 ging er mit Vorliebe auf den Schottenring zur „Spottvogelperspektive" und ergötzte sich an dem Anblick der beim Krach zu Bettlern gewordenen jüdischen Börsenbesucher. Der um ein Jahr früher erfolgte Prager Börsenkrach, der unter den Prager Juden verheerende Wirkungen auslöste, erfüllte ihn mit nicht geringerer Freude. Den Börsenjuden widmete Neruda folgendes Spottgedicht: „Jen pravy Ziel mä pravy nos, kdy „ä la baisse", kdy „ä la hausse", 8