Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Rabbi J e h u d a C h a s s i d" (Kwety 1844), „Jüdische Erinnerungen" (Ceskä wcela 1845). Trotz aller Mühe, die sich Kapper, Kuh und Nebesky gaben, verlief die Bewegung im Sande, sei es, weil sie in jener Zeit in breiteren Schichten der Bevölkerung noch keine Wurzeln zu fassen vermochte, sei es, weil sie von einem so bedeutenden Politiker und Journalisten, wie es K. Havlicek Borovsky war, schroff abgelehnt wurde. An dem Scheitern der ersten tschechischjüdischen Bewegung dürften übrigens die vom Präger Pöbel veranstalteten antijüdischen Demonstrationen jener - Zeit zum Teil auch ihre Schuld gehabt haben. Nebeskys Interesse fürs Judentum gab zumindest den äußeren Anlaß zu seinem lyrisch-epischen Ahasvergedicht „P r o t i c h ü d c i" („Antagonisten"), das in der schlichten Erzählung einer Legende tiefe Symbolik und eine Menge philosophischer Gedanken enthält. Kappers bereite erwähnte Gedichtsammlung „C e s k e 1 i s t y" („Tschechische Blätter"), die in 3 Abteilungen zerfällt („Den böhmischen Söhnen meines Stammes", „Liebe", „Bilder"), ist in ihrem ersten Teile eine ausgesprochene Tendenzschrift umd verfolgt den Zweck, „die böhmischen Söhne seines Stammes" dem Tschechentum zuzuführen, wobei aber cler Dichter von seinem Judentum nicht ein Quentchen preisgeben will. Das beweist das Gedicht „Ostwärts", worin er seiner Sehnsucht nach dem heiligen Lande Palästina Ausdruck verleiht. Das Lied von Judennot „B e n - 0 n i" (= Sohn der Klage), das zu den besten Stücken der ganzen Sammlung gehört*, schildert, wie schon das jüdische Kind aus dem bitteren Kelch seines Volkes trinken muß und wie der Jude von der Wiege bis ans Lebensende an seinem Leid zu tragen hat. Alle übrigen Gedichte des I. Teiles (Passahnacht, Zum neunten Ab, Zu Neujahr, Kückkehr zur Heimat, Nennt immer mich nur einen Tschechen, An W. B. Nebesky) enthalten eine Aufforderung an die jüdischen Landsleute zur Emanzipation und Assimilation ans tschechische Volk. K. Havlicek, der, nie bereits erwähnt, die tschechisch-jüdische Assimilationsbewegung ablehnte, wies Kappers Buch in einer sehr unfreundlichen Kritik ebenso schroff zurück wie die gesamte Bewegung, weil er die Juden für eine ethnische Einheit ansah.' Das Band, das alle Juden der Welt miteinander verbinde, sei viel stärker als jenes, das sie «an das Land feßle, in dem sie wohnen. Er könne es nicht verstehen, warum sie ihre natürliche Sprache, das Hebräische, so wenig pflegen. Kapper war durch die Kritik einer so maßgebenden Persönlichkeit wie vor den Kopf gestoßen und schrieb in der Folgezeit nahezu ausschließlich deutsch4); dennoch fühlte er sich auch später noch (während seines Aufenthaltes und seiner ärztlichen Tätigkeit in Dobrig, Jung-Bunzlau und Prag) als Tscheche. Wir würden Havlicek bitter Unrecht tun, wollten wir ihn wegen 6