Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1015-2645358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
den jungen Zigeuner, der auf der Wanderschaft in das Judenwirtshaus gekommen war. Sie muß aber mit eigenen Ohren hören, wie ihm ein betrunkener Gast die Geschichte ihrer Schmach erzählt. Aus Scham sinkt sie zu Boden und — stirbt. Ihr Vater folgt ihr noch in derselben Nacht in den Tod. Graf Waldemars Frevel aber wurde gerächt; der junge Zigeuner — sein eigener Sohn — ermordete ihn im Walde. Die Judengestalten (Lea, ihr Vater und die Magd Judith) werden in Machas Werk mehr romantisch als der Wirklichkeit entsprechend dargestellt (zum Beispiel die Beschreibung ihrer Kleidung oder die Tatsache, daß ein orthodoxer Jude einem Nichtjuden, dazu einem Zigeuner, seine Tochter zur Frau anbietet) und sie erwecken ihres großen Leides wegen das Mitgefühl des Lesers. Das Lied, das Mächa am Anfang des Romanes Lea in den Mund legt („Jerusalem zpustnul — ni misto neznämo, rozplasen müj närod, potupa mu zlä ..."), fand in tschechischjüdischen Kreisen großen Anklang und starke Verbreitung2). Mächas Epigone W. B. Nebesky, der neben dem Byronismus auch die Ideen des „Jungen Deutschland" in Böhmen propagierte, pflegte häufigen Umgang mit den Prager jungdeutschen Dichtern Isidor Heller, Alfred Meißner, Moriz Hartmann, L. A. Frankl, Siegfried Kapper u. a. (die Prager deutsche Literatur hatte schon damals einen starken jüdischen Einschlag) und als er im Jahre 1843 nach Wien kam, um hier seine philosophischen Studien fortzusetzen, schloß er sicih auch wieder den liberalen, der jungdeutschen Bewegung nahestehenden Kreisen an. Nebesky erkannte, wie viel die hochentwickelte deutsche Kultur den Juden zu verdanken habe; um wieviel dringender hätte das tschechische Volk, das erst am Anfang seiner Kulturentwicklung stand, deren Unterstützung bedurft! Und so kam er auf den Gedanken, den Versuch zu machen, die unter den Tschechen wrohnenden, aber sich als Deutsche fühlenden Juden für das tschechische Volk zu gewinnen. Zu diesem Zwecke setzte er sich mit mehreren seiner jüdischen Landsleute, namentlich mit seinem Prager Freund Siegfried Kapper und mit David Kuh, ins Einvernehmen. Es war der erste, und zwar ganz schüchterne Versuch der Anbahnung einer tschechisich-jüdischen Annäherung. Er bestand eigentlich in nichts anderem als in einer Zeitungskampagne, die in den Jahren 1844—1846 jüdisoherseits in den Zeitschriften „Orient4* und „Allgemeine Zeitung des Judentums", tschechiseherseits in den „Kwety" #und „Geskä wcelau geführt wurde. Das wichtigste Dokument dieser Bewegung aber bleiben Kappers „C e s k e 1 i s t y" (1846).3) Nebesky beteiligte sich an der Diskussion mit den Aufsätzen „Etwas über das Verhältnis der Slawen und Juden" (Kwety 1846), „Slawen undJuden" (Kwety 1845) und mit kleinen Erzählungen, wie „Rabbi L ö b" und „D i e M a u erde s 5