Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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als kulturwidrige Erscheinung. Selbst solche Schriftsteller, die in ihren Werken minder sympathische Judenfiguren zeichnen, weisen im praktischen Leben den Antisemitismus von eich. Der Zionismus fand in das tschechische Milieu später Eingang als in das deutsche. Erst im Jahre 1909 begründeten einige Mitglieder des Prager Studentenvereines „Bar Kochba" den tschechiscb-zionistischen Verein „Theodor Herzl", der auch heute noch besteht und sich mit seiner Brünner Brudervereinigung um die zionistische Propaganda durch Vorträge und aufklärende Schriften im tschechischen Sprachgebiet der Republik' große Verdienste erwirbt. Während in den tschechischen Orten Mährens der Zionismus bei weitem überwiegt, bilden die tschechischen Städte in Böhmen eine Domäne der Tschechojuden. Zwei Fragen drängen sich uns auf, die eine Beantwortung erheischen: I. Welche Rolle spielt der Jud*e in der neuen tschechischen Literatur? II. Welchen aktiven Anteil hat er an ihr? I. Von K. FL Mächa bis zu den Dichtern der Gegenwart« Jüdischen Gestalten begegnen wir in der neueren tschechischen Literatur zum ersten Mal bei K. H. Mächa, „dem Sänger von Nacht und Tod, dem Grübler und Frühlingsdichter, dem Ausgangs- und ersten Höhepunkt tschechischer Romantik44.1) Mäch&s Interesse für das Judentum ist leicht erklärlich. Der Schüler und Nachahmer Lord Byrons konnte sich eben auch dem Einfluß der „Hebräischen Melodien44 seines englischen Vorbildes nicht entziehen. Und wenn Mächa durch Byrons „Hebräische Melodien44 die Not, das Elend und die Verfolgung des heimatlosen jüdischen Volkes kennen lernte, so mußte, er unwillkürlich an sein eigenes Volk denken, das von einem ähnlichen Schicksal betroffen war. Auch das tschechische Volk schien ihm in seinem eigenen Lande heimatlos, verfolgt, bedrückt, geknechtet. Mächa schrieb nebst seinem berühmtesten Werk, dem lyrischepischen Gedichte „Mä ju, einen Roman voll abenteuerlicher Romantik: „Die Zigeune r44. Er behandelt das Schicksal des unter Zigeunern aufgewachsenen natürlichen Sohnes des Grafen Waldemar Lomnicky, Herrn auf Kokofin. Dieser, ein Schürzenjäger, wollte auch Lea, der Tochter eines unterhalb der gräflichen Burg wohnhaften jüdischen Gastwirtes, Gewalt antun. Sie hatte sich ihres Angreifers erwehrt, blieb aber infolge großen Schrecks seither schwachsinnig. Lea verliebte sich in 4