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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 7

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IRI
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So fühlten sich die Juden bis zum achten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts ausschließlich als Deutsche. Das Deutschtum verschaffte ihnen ein soziales Übergewicht gegenüber dem tschechischen Gewerbetreibenden und Bauern. Nur ganz allmählich begannen sich die Verhältnisse zu ändern, als um das Jahr 1880 die tschechisch-jüdische Assimilationsbewegung einsetzte. Die&e hatte bereits ihre Vorläuferin. Siegfried Kapper und Vaclav Bolemir Nebesky machten im Jahre 1846 den Versuch einer Annäherung zwischen Tschechen und Juden, der jedoch schon in seinen Anfängen scheiterte (siehe darüber Näheres auf S. 5 f.). Einen Wendepunkt in der nationalpolitischen Einstellung der Juden Böhmens bildet das Jahr 1876, das Gründungsjahr des Vereines tschechisch-jüdischer Akademiker „Spolek ceskych akademikü zidü", der sich in noch recht schüchterner Weise bloß eine kulturelle Annäherung der Juden an das Tschechentum zur Aufgabe machte. Im Jahre 1884 entsteht in Prag der „Or Tomid", ein Verein, der bestrebt ist, die tschechische Sprache in den jüdischen Gottesdienst einzuführen. Im Jahre 1893 gibt es in Prag und in der tschechischen Provinz so viele tschechisch-jüdische Vereine, daß sie zu einem Verband, der „Ceskozidovskä jednota", zusammengefaßt werden: Dieser gibt sich nicht mehr mit einer kulturellen Annäherung der Juden an das tschechische Volk zufrieden, sondern fordert soziale und nationalpolitische Assimilation. Die tschechischen Juden stehen anfangs im Lager der Jungtschechen, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf ihre Fahne geschrieben hatten. Als sich aber nach dem Sturze Badenis im Jahre 1897 und nach dem Polnaer Ritualmordprozeß 1899 die jungtschechische Partei als extrem antisemitisch «entpuppte, kehrten ihr die Juden den Rücken und traten zum Teil in die von Prof. Masaryk geführte Realistenpartei, zum Teil in die sozialdemokratische Partei ein. Die Judenausschreitungen des Jahres 1897 und der Hilsner-Prozeß gerieten mit der Zeit in Vergessenheit und man hat;te in Böhmen das Gefühl, daß der Antisemitismus stark abflaue und die freiheitliche Gesinnung an Ausbreitung zunehme. Da bricht mit dem Krieg eine neue, und zwar sehr kräftige antisemitische Welle über Böhmen herein. Den Juden werden Fehler besonders angekreidet, die sich auch Nichtjuden zuschulden kommen ließen, z. B. Schleich- und Kettenhandel, vor allem werden aber vereinzelte Fälle von Denunziation verallgemeinert und dafür muß die ganze Judenheit büßen. Doch legte sich die antisemitische Welle bald nach dem Umsturz und heute kann man von einem ausgesprochenen Antisemitismus beim tschechischen Volke nur in ganz wenigen Parteien (bei den Fascisten, Klerikalen und vielleicht den Agrariern) sprechen. Das tschechische Volk ist im großen ganzen freisinnig und betrachtet den Antisemitismus 3

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