Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 508)
- Language
- German
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493 lich-katholischer Pietät in Prag nie ohne scandalo gelitten worden." In dem Konkurrenzkampf zwischen Felix Kurz und Kohn obsiegt Kohn, weil er sich mit einem kaiserlichen Privileg ausweisen kann. Im übrigen erinnert der Aktenwechsel für und wider diesen jüdischen Theaterprinzipal, der bezeichnenderweise gleichzeitig Arzt war, sehr stark an den Aktenwechsel, der sich um die Existenzberechtigung der jüdischen Musikanten entsponnen hatte. Der jüdische Theaterhalter bringt uns auf ein Thema, das hier gestreift werden möge. Es handelt sich um die Erscheinung, daß am Theater frühzeitig gerade der Prager Jude mit Vorliebe dargestellt wird. Materialien zu dieser Frage hat der bekannte österreichische Literaturhistoriker Pirker in einer grundlegenden Arbeit über Kurz- Bernardon gesammelt, die vorläufig nur handschriftlich vorliegt.1) Ausgangspunkt des jüdischen Jargonstückes — wahrscheinlich sogar des Prager Jargonstückes — ist die Kurz- Bernardonsche „Judenhochzeit", die freilich in ihrer ursprünglichen Gestalt unbekannt ist. Im Archiv des Ulmer Stadtmagistrats ist übrigens ein Einblattdruck mit Gedicht von 1621 nachgewiesen. Ein „Englischer Bückelhering, jetzo «ein vornehmer Eysenhändler mit Axt, Beyl Barten zu Präge Jubilierende". Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß die Lokalisierung des Jargonstückes nach Prag darauf zurückzuführen ist, daß Kurz-Bernardon, der Sohn des Prager Theaterhalters Felix Kurz, gewisse Eindrücke aus der Zeit des Kampfes zwischen «einem Vater und Kohn zu seinen dramatischen Judensatyren v erarbeitet hat. 1711 ist in Frankfurt die Aufführung der „Mechirud Joseph" durch jüdische Studenten aus Hamburg und Prag nachgewiesen und Pirker weist auf die Möglichkeit gewisser Beziehungen theaterspielender Juden und Christen hin. Jedenfalls nimmt man in Prag schon 1725 Bücksicht auf jüdisches Empfinden, da man in einem Statthaltereiakt liest, daß ein Stück „Die jüdische Beschneidung" inhibiert werden soll und „daß in dem Manhartischen Hause von denen Comoedianten eine jüdische Beschneidung undt ansonsten annoch ärgerliche Actiones produciert werden". *) Für die Überlassung des betreffenden Materials danke ich Herrn Dr. Max Pirker, Klagenfurt.