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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 494

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 494)
Language
German
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479 nicht bekannten Gründen, wahrscheinlich jedoch, um leichter durchzukommen, geflüchtet haben. Wo er die Philosophie studiert habe, ist unbekannt; daß er sie aber absolviert habe, beweiset der Umstand, daß er in Wien zum Doktor der Philosophie graduiert worden ist. Wiewohl ihm aber die gesetzliche wissenschaftliche Bildung nicht abgesprochen werden kann, so dürfte doch die Unstetigkeit seines Aufenthaltsortes ein wesentliches Hindernis gegen seine Anstellung als hebräischer Zensor sein, indem er als Kind in Prag, als Gymnasialschüler in Ungarn, als Hörer der Philosophie wahrscheinlich in Wien, dann einige Zeit wieder in Prag und jetzt seit mehreren Jahren in Königsberg in Preußen sich aufhält und dort lebt. Es dürfte daher immer nicht ganzunbedenklich sein, einem Manne das Amt eines Zensors zu übertragen, welcher sein Vaterland verließ und es vorzieht, im Auslande zu leben, und nur dann wieder zurückkehren will, wenn ihm ein Amt geboten werden wollte. Ob übrigens die von Dr. Lowositz zeit seines Aufenthaltes in Königsberg herausgegebenen Schriften, so wie es für einen österreichischen Untertan gesetzlich ist, die hierländige Zensur passiert haben, ist dem Gefertigten nicht bekannt. Endlich muß bemerkt werden, daß Dr. Lowositz in früherer Zeit Gehilfensupplent in der untersten Klasse der deutschen israelitischen Hauptschule in Prag gewesen sein soll, wo er aber, weil er weniger genügen konnte, wieder abgetreten ist. M. L e 11 e r i s, im Jahre 1804 zu Zolkiew in Galizien geboren, hat sich zwar seit seiner Jugend mit der orientalischen Literatur beschäftigt, besitzt nicht gewöhnliche enzyklopädische Kenntnisse und hat sich unter den israelitischen Gelehrten durch die Herausgabe mehrerer Schriften einen Namen gemacht. Allein er hat, wenigstens in Österreich, keine Studien, somit keine streng wissenschaftliche Bildung, wie sie der Zensor haben muß, und welche durch kein journalistisches Wissen ersetzt werden kann. Zwar ist Letteris Doktor in Erlangen; was aber von diesem Doktorate zu halten sei, bedarf nicht besonders erwähnt zu werden, nachdem Letteris nie in Deutschland, sonach auch nie in Erlangen gewesen,, dennoch aber dort Doktor geworden ist. Dermal ist Letteris Korrektor hebräischer Werke in der Buchhandlung Gottlieb Haase Söhne in Prag, wo er noch Mehreres hebräisch und deutsch herauszugeben beabsichtigt. Nachdem jedoch die bloße Kenntnis der hebräischen Sprache nicht genügt, sondern eine umfassende und gründliche wissenschaftliche Bildung dem hebräischen Zensor unbedingt notwendig ist, welche Letteris aus Abgang der gesetzlichen Studien nicht nachweiset, so kann er auch für die erledigte Zensorstelle mit Beruhigung nicht empfohlen werden. Samuel Freund aus Böhmen, der Geburtsort ist unbekannt, war früher Kreisrabbiner und ist gegenwärtig zweiter Oberjurist und Religionsvorsteher der israelitischen Gemeinde in Prag, ein Mann über 50 Jahre alt, hat keine Studien, wie es bei den alten Rabbinern durchgängig der Fall ist, entbehrt sonach ebenfalls derjenigen Kenntnisse, welche bei einem hebräischen Zensor, wenn

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