Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 493)
- Language
- German
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478 liehe Verbreitung durchaus unzulässig war, dennoch für ganz unbedenklich erklärt hat. Bei einer solchen Vorlage fehlt auch jede Garantie für den Bittwerber für die Folgezeit. Rapoport besitzt somit nach der vollsten Überzeugung des Gefertigten weder die erforderliche intellektuelle Befähigung, noch die sonst erforderlichen Eigenschaften, welche ihn für die hebräische Zensorstelle eignen würden. Ein anderer Kompetent ist Dr. Michael Sachs, aus Glogau in Preußisch-Schlesien gebürtig, ist sonach Ausländer, und hat ebenso seine Studien im Auslande, nämlich in Preußen gemacht. Später ist derselbe zwar als deutscher Prediger der Israeliten nach Prag gekommen, ist aber nun wiederum nach Berlin zurückgegangen, wo er sich als Rabbinatsverweser anstellen ließ. Für diesen Kompetenten spricht gar nichts, da er als Ausländer und ohne hierländigen Studien ohne allerhöchster Dispens kein k. k. Amt bekleiden darf, überdies seine Rückkehr nach Berlin offenbar zeigt, daß ihm das Ausland lieber sei, als der Aufenthalt in den k. k. österreichischen Erbstaaten, daher auch gar keine Garantie vorliegt, daß man ihm die erledigte hebräische Zensorstelle auch nur mit einiger Beruhigung anvertrauen könnte. Sein Gesuch ist mit gar nichts dokumentiert. Moritz Steinschneider, aus Proßnitz in Mähren gebürtig, Rabbinatskandidat, angeblich 30 Jahre alt, hat auch keine, wenigstens keine vollständigen Studien, denn nach seiner eigenen Angabe hat er im Jahre .1825 bloß die Prüfung aus der ersten Gymnasialklasse in Olmütz abgelegt, seitdem aber die klassische Bildung teils privat teils öffentlich sich anzueignen gesucht. In den Jahren 1833—1839 will er die philosophischen Studien absolviert haben, allein nach den vorhandenen Katalogen hat Steinschneider nur einige freie Lehrgegenstände gehört. Wiewohl er sich daher mit einem Zeugnisse aus den orientalischen Dialekten und aus der höheren biblischen Exegese ausweiset, so fehlen ihm doch sowohl die Gymnasialstudien, als auch die philosophische Studienbildung ganz, und er kann schon aus diesem Grunde für die erledigte Stelle nicht empfohlen werden. Weiter muß bemerkt werden, daß Steinschneider im Jahre 1843 über sein bittliches Einschreiten hochsteliig zum ersten Lehrer des Talmuds und der hebräischen Sprache an der deutsch-israelitischen Hauptschule zu Tarnopol mit einem Gehalte per 400 fl. Kmze. ernannt worden sei, nach Erhalt des Anstellungsdekretes aber diese seine Ernennung angeblich aus dem Grunde zurückgelegt hat, weil er nach genauer Erkundigung geringe Gelegenheit zur Fortbildung gefunden hätte. Das ist Wankelmut und zeigt nicht von einer besonderen Solidität des Charakters, und so läßt sich auch nicht das Vertrauen fassen, daß ihm das so wichtige und schwierige Amt eines hebräischen Zensors mit Beruhigung übertragen werden könnte. Dr. IsaakLowositz, angeblich über 40 Jahre alt, ein stiller, ruhiger und bescheidener Mann, aus Prag in Böhmen gebürtig, hat seine Gymnasialstudien in Ungarn absolviert, wohin sich vor mehreren Jahren so viele israelitische Studierende aus dem Gefertigten