Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 485)
- Language
- German
- Belongs to
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470 sowie k. k. Zensor theol. et phil. Dr. Hieronymus Joseph Zeidler anläßlich der Neubesetzung der erledigten hebräischen Bücherrevisions- und Translatorstelle dem Landesgubernium erstattet hat. Dieses überaus interessante Dokument scheint aus verschiedenen Gründen wert, dem Aktenstaub entrissen zu werden. Hier werden die allgemeinen Gesichtspunkte über die Befähigung zum Zensoramte in hebraicis und über seine Ausübung ausführlich dargelegt. Es bietet sich ein unmittelbarer Einblick in den Geist einer verklingenden Zeit. Unverfälschter vormärzlicher Geist ist es, den diese Blätter noch atmen. In ihnen spiegelt sich aber auch der Zustand der geistigen Verfassung der Prager Juden in jener Zeit des Überganges vom alten traditionsgetreuen jüdischen Bildungsideal, das sich im „Lernen" des Religionsgesetzes und des sich daran knüpfenden Schrifttums erschöpfte, zu den geistigen Anforderungen einer neuen Zeit und neuen Welt, die mit der Öffnung der Ghettotore auch in Prag an die Juden herangetreten waren. Zwar ein Miniaturbild nur, aber ein deutliches für den, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht. In anderem Zusammenhange gedenke ich, es ausführlich zu schildern. Neben christlichen Kandidaten treten Juden traditioneller Bildung und solche fortschrittlicher Richtung als Bewerber um die Stelle eines Zensors und Translators im hebräischen Fache auf. Es sind jüdische Persönlichkeiten von Rang, die hier genannt werden. Ihre Namen sind nicht nur in der Geschichte der Prager jüdischen Gemeinde bis auf den heutigen Tag unvergessen, sondern haben zum Teile weit über die böhmischen Grenzen hinaus in der Geschichte und Wissenschaft des Judentums einen guten Klang. Hervorgehoben seien bloß die Rabbiner Salomon Löb Kapoport, Samuel Freund, Dr. Michael Sachs und der berühmte jüdische Bibliograph Moritz Steinschneider.54) Es ist vielfach interessant, — um nicht, was oft zutreffen dürfte, geradezu zu sagen: amüsant —, die amtliche Beurteilung dieser Persönlichkeiten aus dem Inhalt des Gutachtens kennen zu lernen. Erläuternde Ausführungen oder Bemerkungen könnten den Eindruck dieses Dokumentes nur abschwächen. Es enthält einen kleinen, wohl aber nicht wertlosen Beitrag zur Kulturgeschichte der Juden in Prag. Hier folgt sein Wortlaut. Vorangestellt ist die Anfrage des böhmischen Landespräsidiums.