Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 480)
- Language
- German
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465 hebräischen Schriften, jedes zum Drucke bestimmte Manuskript oder nachzudruckende Werk vorerst zu lesen, auf etwaige anstößige Stellen zu prüfen und dann dem in der Regel dem Jesuitenorden angehörigen Zensor vorzulegen. Natürlich war er auch am besten imstande, die Einwände der Zensur zu entkräften und zu beseitigen und so zur Verteidigung und Rechtfertigung der Juden zu wirken.41) Zur Zeit Haslbauers bekleidete dieses außerordentlich verantwortungsvolle Amt eines jüdischen Vorzensors in Prag Rabbi Simon Jeitelß (Jeiteles), Verfasser eines Kommentars zu den fünf Büchern Mosis „Minchas oni".42) Unter Haslbauers Nachfolger, dem Professor der hebräischen Sprache an der Prager Universität, k. k. Zensor, Revisor und Translator in hebraicis, Leopold Tirsch43), wird als Vorzensor Scholem Jeiteles, ein Sohn des Vorerwähnten, genannt.44) Über die Verhältnisse bei der Bücherzensur in Prag zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia gibt ein Bericht der Repräsentation und Kammer in Böhmen an die Hofkanzlei Aufschluß.45) Nach diesem war die Bücheraufsicht einer „zu Examinier- und Kombinierung deren in Druck ausgehenden Sachen und Zensurierung deren Kalendern verordneten Kommission von Regierungsräten übertragen, deren zwei die Prüfung der juridisch-politischen Werke besorgten. Die Bücher geistlichen Inhalts würden seitens des Konsistoriums ohne Wissen der Kommission beurteilt und konfisziert.41 Es scheint sich also auch hinsichtlich der hebräischen Bücher das System seit dem 16. Jahrhundert nicht wesentlich geändert zu haben. Im Jahre 1781 wurde die hebräische Zensur in Böhmen, die bis dahin dem erzbischöflichen Konsistorium zu Prag untergeordnet gewesen war, dem Landesgubernium unterstellt.46) Für Mähren bestand das Bedürfnis nach einer von der böhmischen gesonderten Zensurbehörde lange Zeit nicht. 3m Jahre 1753 erhielt der Kaffeesieder Franz Josef Neumann, seit 1736 Bürger in Brünn, von der Kaiserin Maria Theresia das Privileg zur Errichtung einer hebräischen Buchdruckerei, welche 1754 in Brünn erfolgte. Die Zensur besorgte zunächst der Olmützer Universitätsrektor, der ermächtigt war, den Landrabbiner zur Approbation heranzuziehen. Als sich Unzuträglichkeiten herausstellten, wurde im Jahre 1756 die Zensurierung der Neumannschen Verlagswerke der Wiener Bücherrevisionskommission übertragen46a). Einen selbständigen hebräischen Zensor für Mähren gab es nicht bis zum 30