Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 479)
- Language
- German
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464 große Rolle, da unzweifelhaft klare Zensurregeln nicht aufgestellt werden konnten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte die Zensur jüdischer Bücher in Prag besonders stark ein. Es ist bekannt, daß der Prager Oberrabbiner David Oppenheim (Oppenheimer) einen großen Teil seiner berühmten Bibliothek, welche in der Bodleyanischen Bibliothek zu Oxford bis zur Gegenwart erhalten geblieben ist, aus Zensurrücksichten nicht bei sich in Prag haben konnte.35) Vielmehr mußte er seinen Bibliotheksschatz im Hause seines Schwiegervaters in Hannover aufstellen. Im Jahre 1706 wurde Berl Back und Israel Kettwieß, welche ohne Genehmigung der Zensur Gebetbücher in Prag gedruckt hatten, der Prozeß gemacht. Nach langwierigem Verfahren wurden die beanstandeten Bücher eingezogen; die beiden Buchdrucker mußten zur Strafe auf eigene Kosten zu beiden Seiten des Kreuzes auf der Prager Karlsbrücke Statuen der heiligen Jungfrau und des Evangelisten Johannes errichten.36) Nicht lange darauf, im Jahre 1714, wurde in Prag unter zahlreichen hebräischen Büchern eine ganze Anzahl von Exemplaren des ersten Frankfurter Talmuddruckes konfisziert und dem Feuer übergeben.37) Überhaupt waren in jener Zeit in Prag Bücherinventarisierungen und Bücherkonfiskationen fast alltäglich.38) Vor allem galt das Hereinbringen von Büchern aus dem Auslande ohne Vorlage bei der Zensur als ein schweres Delikt. Aber auch die Vorlage zur Zensur war gefährlich. Sie hatte oft die Konfiskation, stets die Verstümmelung des vorgelegten Buches zur Folge. Zensoren ohne ausreichende Kenntnisse fürchteten, etwas ungeahndet durchgehen zu lassen, Zensoren wiederum, die über einige Kenntnisse verfügten, wollten diese immer von neuem erweisen, indem sie in die einfachsten und unverfänglichsten Worte und Wendungen alles Mögliche hineindeuteten und deshalb weitgehend Beanstandungen vornahmen. So die allerunschuldigsten Worte mißdeutet zu haben, ist namentlich dem in dieser Zeit in Prag maßgebenden Jesuitenpater Franz Haslbauer, Professor der hebräischon Sprache und Zensor der hebräischen Bücher in Prag, nachgewiesen worden.39) Auf Seite der Juden war ein „Prager jüdischer Vorzensor" zugelassen. Dieser ist eine ständige Einrichtung der Prager Zensur im 18. Jahrhundert geworden.40) Er hatte die