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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 477

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 477)
Language
German
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IRI
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462 Im Anfang der sechziger Jahre des 16. Jahrhunderts wurde als Gegengewicht gegen die alte, in Glaubenssachen reformierte alma mater Pragensis von Ferdinand I. eine neue, von Gliedern der Gesellschaft Jesu geführte Akademie gegründet.23) Natürlich suchte diese, sofort auch die Zensur in ihre Hand zu bekommen. Schon im Jahre 1560 wird den Jesuiten in Prag gegen den Widerspruch der alten Universität die Zensur der hebräischen Bücher übertragen.24) „Kaiser Ferdinand erteilte den der hebräischen Sprache kundigen Lehrern seiner zu Prag gestifteten katholischen hohen Schule die Macht, jedes hebräische gedruckte Buch, das nach Prag zum Gebrauche der Juden würde gebracht und verkauft werden, zu überlesen und zu sehen, ob es nichts der Ehre Gottes Nachteiliges enthielte."25) Seither verblieb in Prag die hebräische Bücherzensur ausschließlich den Jesiuiteny welche sie gewöhnlich durch die Professoren der hebräischen Sprache unter Genehmigung des Erzbischofs ausüben ließen.26) Trotz des Darniederliegens der Prager jüdischen Presse27) und trotz des strengen Waltens der Zensur28) während der Jahre des Dreißigjährigen Krieges spielten Bücher auch in dieser ganzen leidensreichen Zeit in der Prager Judenstadt wie immer eine bemerkenswerte Rolle, als Gebrauchsgegenstände sowohl wie auch als Ware. Dies bezeugen die aus dem Jahre 1619 erhaltenen Prager jüdischen Privatbriefe,29) nicht minder der bereits erwähnte Prozeß des Rabbi Lipmann Heller, der in diese Zeit fällt. Auch in der folgenden Zeit hören wir wiederholt von großen Konfiskationen hebräischer Bücher in der Prager Judenstadt auf Veranlassung der Jesuiten und von langwierigen Prozessen der Prager jüdischen Gemeinde, die sich natürlich daran knüpften.30) Am 1. August 1669 wurden die beiden Prager jüdischen Druckereien, die sogenannte Löblsche und Backsche Druckerei, auf Veranlassung des erzbischöflichen Konsistoriums, vermutlich wegen Druckes unerlaubter Bücher, vielleicht des Talmuds, gesperrt. Diese Maßnahme dauerte bis zum 23. Oktober 1672, sodaß die Prager Juden mehr als drei Jahre hindurch keine eigene tätige Druckerei besaßen. Erst im Jahre 1672 wurde die Wiedereröffnung der Backschen Druckerei und die Wiederaufnahme des Buchdruckes von der sogenannten commissio inquisitionis judaicae pravitatis und vom erzbischöflichen Konsistorium

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