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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 472

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 472)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644303--0929-2645271
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457 Verfassungsära mit dem Preßgesetz vom 17. Dezember 1862. Dieses hat die Grundlage des Preßrechtes für die Länder des alten Österreich gebildet und ist für die Nachfolgestaaten, insbesondere für die tschechoslowakische Republik bis auf die Gegenwart maßgebend geblieben. Besonders schwer lastete der Druck staatlicher Überwachungs- und Zwangsmaßnahmen bis zum Eindringen freiheitlicherer Ideen in die allgemeine staatliche Preßgesetzgebung auf den für die Veröffentlichung und Vervielfältigung bestimmten geistigen Erzeugnissen der Juden und auf den Produkten der jüdischen Presse. Dies waren zumeist Werke religiösen Inhalts. Haß und Mißgunst gegen die Juden, Verständnislosigkeit und Unduldsamkeit gegenüber allem Jüdischen führten Jahrhunderte hindurch wie in den meisten Ländern Europas so auch in Böhmen nicht nur zu den sinnlosesten Konfiskationen, günstigstenfalls Verstümmelungen hebräischer und jüdischer Bücher, sondern auch zu den grausamsten Verfolgungen ihrer Verfasser und nicht nur dieser» Angeberei jüdischer Apostaten spielte bekanntlich dabei sehr häufig eine unrühmliche Rolle. Literarisch oft behandelt, wissenschaftlich und belletristisch häufig dargestellt ist der bekannte Prozeß des gelehrten Prager Oberrabbiners Rabbi Jomtob Lipmann Heller, der unter dem Namen Tosafot Jomtob berühmt geworden ist. In seiner „Leidensrolle" Megillat Eba3) hat er in eindrucksvoller Weise selbst die grausamen Schicksale geschildert, die er infolge der Verdächtigungen des Inhaltes seiner Schriften erfahren mußte. Nur vereinzelt ist der Fall, daß bei ähnlichen böswilligen Verfolgungen einmal ein Verfasser jüdischer Werke, der berühmte, auch mit irdischen Gütern gesegnete Prager Oberrabbiner David Oppenheim, zur Vermeidung der Folgen solch unseliger Prozesse seinen verleumderischen Verfolgern große Summen als Lösegeld anbieten konnte.4) Aber auch diese Tatsache legt ein beredtes Zeugnis dafür ab, welche Gefahren und Leiden in früheren Jahrhunderten die Juden zu erdulden hatten, die bei der grundsätzlich feindseligen Einstellung ihrer Umwelt durch ihre geistige Betätigung allein sich ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen versuchten. Die Geschichte der Zensur jüdischer Bücher bildet ein überaus interessantes, wenn auch größtenteils trauriges Kapitel der Kulturgeschichte. Sie gestattet nicht nur einen tiefen Einblick in die Ideen- und Sittengeschichte verschiedener

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