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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 447

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 447)
Language
German
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IRI
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432 vermög unsere Judengerichten verbleiben könnte. Solches geschehen Birnitz den 16. Juni 1746*" Ob wohl heute in gleichem Fall, sowohl was Ester als was Lazar betrifft, mit gleicher Strenge vorgegangen würde? Wir wollen diese Ausführungen beschließen mit einem Hinweis auf die Beziehungen zwischen Juden und Christen, wenn man so sagen dürfte, in sittlicher oder menschlicher Hinsicht. Die wirtschaftlichen haben begreiflicherweise zu Streit, Prozeß und Anschuldigungen geführt, allein in der ganzen Zeit von fast einem Jahrhundert sind wir in den zahlreichen, weitschweifigen und redefreudigen Akten eigentlich gehässigen Worten gegen die Gesamtheit hier nicht begegnet, die offenbar hiezu keinen Anlaß geboten hat. Es ist aber bezeichnend, daß einmal sogar so etwas wie Mitleid mit dem Schicksal der Juden in einem Brief eines Christen durchschimmert. Der in den Akten öfter genannte Iglauer Apotheker Ernestus Berner, der den armen Juden in Pirnitz Medizinen gelegentlich auch umsonst abgab, wurde von einem abwesenden Iglauer Christen Joseph Pokorny mit der Einforderung einiger alten Judenwechselschulden betraut; etwa 1769. Es blieb ihm nichts übrig, als sich an den Pirnitzer Wirtschaftsinspektor, Herrn Schramek, zu wenden, und ihn um seine Unterstützung anzugehen. Es handelte sich um den Schutz- und Handelsjuden Salomon Mözritscher und dessen Kompagnon Lewnig; die Summe betrug immerhin 400 Gulden. Nachdem er aber den Fall im einzelnen klargelegt hat,42) fährt er fort: „Nachdeme aber uns die Menschenliebe dahin verleuthet, niemanden ohne Noth zu schaden, oder in seiner Handlung zu bekränken, als soll dieser „Kummer44 in der Stille behalten [bleiben] und nur in casu necessitatis et periculi, wann mehrere Creditores sich anmeldeten, der Priorität wegen güldig sein und Blatz greiffen, damit besagte Juden nicht umb ihren Credit und Nahrung ohne Noth gebracht oder gestirzet würden; wes Ursachen ich den 29. huius mit ihnen das Euserste in der Gütte vorzukehren gedänke, und meinen ferneren Bericht erstatten werde . . Das Leben der Juden auf der Collaltischen Herrschaft in Pirnitz war ernst, schwer, voller Arbeit und Mühsal, aber nicht angefeindet, nicht fortwährenden Verfolgungen und schmählichen Anwürfen ausgesetzt.

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