Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 443)
- Language
- German
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428 zu gerichtlichen Untersuchungen und Verhandlungen geführt hat.41) Im Jahre 1746, am 1. Juli, gebar Esther, ein 22jähriges Judenmädchen, ein uneheliches Kind, einen Knaben. Ihr Vater, Abraham Low Suchy, ein Hausierer, mag bettelarm gewesen sein, denn sie ging in Dienst zu einem Herrn Wolf erle nach Nikolsburg. Als sie wieder heimkam, fand sie eine Stiefmutter vor, mit der sie sich nicht verstand, die sie auch zur Wiederholung des Fehltrittes anspornte. Der Vater des Urhebers der Tat, Markus Roßhändler, bestimmte Suchy, die Tochter so rasch als möglich aus Pirnitz wegzubringen, nicht zuletzt, weil sein Sohn Abraham mit einem anderen Mädchen in Trebitsch verlobt war. Sie wurde nach Preßburg geschickt, blieb aber nur drei Tage dort und reiste wieder zurück. Als sie am Heimweg nach Nikolsburg kam und sich ihrem ehemaligen Dienstherrn Wolferle anvertraute, wandte sich dieser an das Pirnitzer Judengericht, damit dem Mädchen Recht geschehe. Eine zweite Eingabe richtete Wolferle in Esthers Namen direkt an den Grafen Collalto nach Wien. Sie lautete in ihrem schlechten Deutsch: „Ihro hochreichsgräfliche Excellenz. Hoch- und wohlgebohrner Reichsgraf. Gnädigster Graf f und Herr Herr. Euer hochgräflichen Gnaden solle ich dero Unterthanin in Pirnitz hiemit aus tiefster Dehemuth höchst nothgezwungen unterthänig wehemüthigst mit heiß herabfließenden Thränen beibringen, welchergestalten sich jüngsthin zugetragen, daß der sogenanter leediger Jud (und zwahr jetziger Breithigam) Abraham, des vorhien gewesten Judenrichter Hirschl Roßhandlers Sohn zu Pirnitz, mich vor 5 MonaÜt Leider Gottes fast gewalttätig und zwahr unter dieser Vertröstung, er sein erster Brauth absagen und mich würklich ehelichen will, beschwangert. Da ich aber nach beschehener That solches public gemacht, so hat mich mein Vatter Abraham Low Sucher, nunmehro außer Stand gesetzter Mann, pra hindrum (!) mich weckh zu begeben mit wenigen Reiß- Spessen obgehalten, welches ich auch aus Ohnverstand vollgezogen und mich inzwischen abwessend gemacht. Da ich aber jezt je lenger und mehr mein Unglickh höchst besorge und mir ganz dunkel vor die Augen gehet, in specie die Zeith des Kindes-Nöthen zimblicher massen zuruckt, so habe kein