Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 439)
- Language
- German
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424 schuldeten. Dies und einige andere Umstände gaben die Möglichkeit, daß die Pirnitzer Tuchmacher an den Kaiser ein Gesuch richteten (Juli 1782), es möge das Verbot auf die Tücher aufgehoben werden, damit sie dieselben zu Kapital machen könnten. Das wurde abgelehnt. Aber das Brünner Appellationsgericht wurde angewiesen, die „Beschwerde der 15 Pirnitzer Tuchmacher44 zu überprüfen und einen Vergleich herbeizuführen. Am 15. Mai 1783 fand diese Verhandlung in Brünn in Anwesenheit aller Beteiligten statt und führte zu dem in einem sehr umfangreichen Akte niedergelegten Ergebnis, daß die drei jüdischen Gläubiger den, wie immer betont wird, armen Pirnitzer Webern entgegenkommen müßten. Abgesehen von großen Nachlässen bekamen sie eine Frist von zwei Jahren zur Abzahlung der neu vereinbarten Schuldsummen in Quoten. Ein Prozeß, der alle Instanzen, die für ihn damals in Betracht kamen, durchgemacht hatte und schließlich auch dem Kaiser vorgelegt worden war, war hiemit zuende. Man wußte in Iglau, Brünn und Wien von den Unternehmungen des Pirnitzer Juden Herzfelder. Noch eines dritten Pirnitzer Juden gedenken die Akten, der über seinen engen Kreis hinaus strebte und in Wien Beziehungen zu Adeligen suchte, um seine Geschäfte zu fördern: Adam Bauer, auch Auscher genannt.31) Bei der Pirnitzer Herrschaft war im Jahre 1767 oder kurz zuvor der Wirtschaftsdirektor Wenzel Borowsky um seine Stelle gekommen und hatte dabei auch seine Kaution im Betrage von 3000 Gulden eingebüßt. Er betraute daraufhin Bauer-Auscher, ihm womöglich einen neuen Posten zu verschaffen. Es gelang auch Bauer, in Cerekwe (Böhmen) eine entsprechende Stelle zu finden, doch forderte man auch hier eine Kaution von 3000 Gulden. Zwei Drittel davon trieb Bauer allsogleich beim Iglauer Wandt-Müller auf, den Rest scheint Borowsky aus eigenem bestritten zu haben. Zum Dank für seine Mühewaltung übertrug Borowsky dem Juden Bauer den „Hausmeister"-Posten in seinem Pirnitzer Haus, eine Art Verwalterstelle, die er auch zwei Jahre innehatte. Die Beziehungen blieben auch darnach aufrecht, nur hatten Bauers Bemühungen nicht mehr denselben Erfolg. Ein Versuch, für Borowsky die Post in Jenikau anzukaufen, mißlang, auch Bauers Intervention beim Grafen Vinciguerra von Collalto, den er wiederholt in Wien aufsuchte, Borowsky