Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 437)
- Language
- German
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422 2. Firma Pastor und Wolf-Mendin sollten bis 7. Februar 1756 „unter Verpfändung meines gesambten Haab und Vermögens14 150 bezw. 300 fl. als Abzahlung erhalten. Um diesen Verpflichtungen nachzukommen, erbat sich Pullitzer 400 fl. aus der Rentkammer, was ihm aber rundweg vom Grafen selbst abgeschlagen wurde. Als aber dann die Wogen über seinem Bestandjuden zusammen zu schlagen drohten, ließ sich Collalto zu dem erwähnten Vergleich bestimmen, der Pullitzer auch in die Lage versetzte, seine Verpflichtungen gegenüber seinen „treuherzigen Creditoren", wie er sie einmal nennt, einzuhalten, obwohl immer wieder Schwierigkeiten eintraten, so daß in einem Akt vom 24. November 1756 von „dieser verdammten jüdischen Odiosität" gesprochen wird, die zu keiner „Endschaft" gelangen kann. Inwieweit die Herrschaft an diesen Verhältnissen mit die Schuld trägt, bleibt dahingestellt. Pullitzer klagt in einem Brief, der direkt an den Grafen Collalto gerichtet ist, daß er „nicht nur in seiner Nahrung geringsamb verkürzet und in einen solchen notdürftig auch Erbarmnus würdigen Stand versetzet, dass ich kümmerlich, ja recht mühsamb mit Weib und Kindern das Leben hinfristende Stickl Brot erschwingen mag . . Immerhin für einen Geschäftsmann, dessen Unternehmungen — um in heutigen Zahlen zu sprechen — in die Hunderttausende gingen, ein mehr als merkwürdiger Aufschrei. Sollte ihm die Geschäftsverbindung mit der gräflichen Herrschaft nicht ermöglicht haben, auch an sich zu denken und auf einen grünen Zweig zu kommen? Von Jakob Pullitzer findet sich dann nur noch eine belanglose Nachricht: eine Klage gegen den Pirnitzer Fleischhacker Thomas Wetchy, der ihm 46 fl. 51 kr. schuldete, aus dem Anfang des Jahres 1765.27) Auch er scheint keine Nachkommen hinterlassen zu haben,28) wie Austerlitz, die nach seinem Tode seine Unternehmungen in Pirnitz weitergeführt hätten. Zu den großen Geschäftsleuten und Unternehmern gehörte dann noch Lasar Herzfelder, von dem schon gesagt wurde, daß er als Fünfundzwanzigjähriger im Jahre 1774 nach Pirnitz kam und die reiche Witwe Bechnitzer ehelichte.29) In einem Prozeß, der sich 1781—1783 abspielte, lernen wir seine Tätigkeit kennen.30) Wie früher David Austerlitz liefert er den Tuchmachern in Pirnitz, Iglau, Polnau, Triesch,